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Aus der Serie: Die perfekte Frau

Hyejeong Yoo

Leipzig, 25 Jahre

Deutscher Jugendfotopreis 2018
Jahresthema: Ich und die Welt

Auszeichnung 300 €

 
 

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Interview

Wie bist du auf die Idee zu deiner Serie gekommen? Was hat dir den Anreiz zu der Serie gegeben?
Als ich Kind war, habe ich viel mit Barbies gespielt. Durch das Anschauen von Disney-Filmen und Barbie-Anzeigen gewöhnte man sich natürlich an das Leben von schicken Frauen und Fantasien, die eigentlich aus dem Material der Gesellschaft gemacht werden. Sie geben uns einen Plan, wie man leben sollte. Zum Beispiel einen Job in den 20ern zu haben und dann einen gut aussehenden Mann in den 30ern zu heiraten und dann Kinder in einem wundervollen Haus zu haben. Aber das Leben ist nicht so einfach wie ich dachte, und dieser Plan war eine echte Fantasie. Nachdem ich aufgewachsen war und die Wahrheit erkannt hatte, habe ich selbst die Bühne gebaut, die ich mir als Kind vorgestellt hatte. Ich habe nicht nur mit Fantasien und Träumen von einem jungen Mädchen gespielt, sondern festgestellt, dass ich mich an die Standards gewöhnt habe, was die Gesellschaft uns als Frau sagt. Koche für deinen Ehemann, sei eine gute Mutter, sei schön und so weiter.

Wie hast du die Szenerien erstellt? Welche Technik(en) hast du verwendet?
Wenn man näher auf meine Bilder schaut, kann man feststellen, dass es sich um eine kleine Bühne handelt. Ich habe viele verschiedene Materialien gekauft, vor allem kleine Objekte für den Architekturmodellbau und habe eine Miniaturwelt installiert. So habe ich zum Beispiel für das Strandfoto Wasser gegossen und blaue Farbe aufgetragen und gemischt. Zuerst habe ich 10 verschiedene Bühnen gemacht, die ich gezeichnet hatte. Der zweite Schritt war, Kleidung und Kunsthaar zu leihen. Als Drittes habe ich mich selbst in einem Studio fotografiert und mich in Photoshop kleiner gemacht.

Was war dir wichtig, worum ging es dir dabei?
Das Wichtigste war, eine unrealistische Szene zu kreieren, aber im Bild die Träume wahr werden zu lassen, die nicht nur ich, sondern auch die anderen jungen Mädchen einmal geträumt haben. Es ist eine falsche Miniaturwelt, in der ich versucht habe, natürliche Situationen mit Objekten, die wir tatsächlich im Alltag benutzen, zu inszenieren. Aber inzwischen wollte ich in jedem Bild eine große Lücke zwischen dem Gedanken eines jungen Mädchens und dem versteckten Hintergrund der Frauen in ihrer gesellschaftlichen Rolle darstellen.

Hast du das Gefühl, die von dir abgebildeten Rollenerwartungen sind weiterhin aktuell?
Es sind nicht mehr meine Erwartungen, aber die Erwartung einer Frau aus unserer Gesellschaft. Dennoch spüre auch ich den Druck der Erwartungen an eine Frau in Korea, des typischen Blicks auf die Frauen. Seit ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich mich ein bisschen davon befreit. Auch in Korea beginnen die Leute, mehr über Feminismus nachzudenken. Es ist ein großer Schritt und immer noch eine Diskussion, nicht nur für Korea, sondern auch für die ganze Gesellschaft.

Seit wann fotografierst du? Wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe 2007 angefangen, bewusst zu fotografieren. Ich hatte schon von vorher Interesse an Fotografie. Es kam so natürlich in mein Leben. Meine Eltern liebten es, meine Schwester und mich zu fotografieren. Sie haben viele Videos und Fotos gemacht, nicht nur auf Reisen oder bei besonderen Veranstaltungen, sondern auch in unserer normalen Routine zuhause. Wir haben eine Menge Alben und Videobänder und bin mit ihnen aufgewachsen. Als ich in die Mittelschule kam, habe ich meinen Vater gebeten, mir eine Kamera zu kaufen, und seitdem habe ich begonnen, die Momente meiner Familie festzuhalten, so wie es meine Eltern für uns getan haben, und ich habe die Kamera einfach immer überall mit hingenommen.

Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Meine Themen haben sich immer verändert. Bis ich 17 war, habe ich viele Momente meiner Familie und etwas, das mir auf der Straße ins Auge gefallen ist, fotografiert. Als ich 18 war, faszinierte mich Photoshop. Für mich war es interessant, dass die Kamera die Zeit anhält, aber man mit Photoshop die Zeit verlängern kann. Ich meine, mit Photoshop könnte ich die alle Zeit (Momente), die ich eingefroren, einzeln herausgenommen habe, wieder mischen. Mit 23 Jahren begann ich mich zu fragen, wer ich bin und wo ich bin. Einige Fragen über Existenz und Tod begannen sich in meinem Kopf zu häufen. Heute beschäftige ich mich nicht nur mit Fotos, sondern auch mit Videos gemischt mit Texten zum Thema ‘Erinnerung’, ‘Vergessen’, ‘Kreis’ und ’Anwesenheit’.

Welche Bedeutung hat die Fotografie für dich?
Um meine Gedanken auszudrücken, ist die Fotografie das beste Medium für mich. Anders als die anderen Medien, finde ich, dass Fotografie die nächste Kunst der Wahrheit und der Realität ist, weil sie das Licht in Echtzeit enthält.

Wo und wem zeigst du deine Bilder? Stellst du deine Fotos aus?
Ich habe meinen Bachelor mit Fine Art Photography in Korea abgeschlossen und studiere jetzt weiter Fotografie in Leipzig. So zeige ich die Bilder normalerweise meinen Kommilitonen und Professoren, also in der Schule. Seit 2017 habe ich begonnen, mich für Fotowettbewerbe oder Fotofestivals zu bewerben. Und ja, ich hatte auch einige Ausstellungen mit meinen Freunden in Seoul und in Leipzig.

(Wo) findet man deine Bilder im Internet?
Website: hyejeongyoo.com
Instagram: @weidenbaum_yoo

Wie bist du auf den Deutschen Jugendfotopreis aufmerksam geworden?
Eine Freundin von mir hat auch am Jugendfotopreis teilgenommen und mir davon erzählt. Es war meine letzte Chance wegen der Altersgrenze, also gab es keinen Grund zu zögern.

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