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Aus dem Fotobuch: Violett

Andrea Bellu

Braunschweig, 25 Jahre

Deutscher Jugendfotopreis 2006
Allgemeiner Wettbewerb | Altersgruppe D (21-25 Jahre)

2. Preis 300 €

 
 

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Jurybegründung

Das gedruckte Foto in Form eines Buches ist in letzter Zeit immer populärer geworden. Manche Bilder funktionieren nur in Buchform. Andere werden durch die festgelegte Abfolge im Buch noch besser, obwohl man sie sich auch als Einzelbilder an der Wand vorstellen könnte.
Andrea Bellu hat ihr Thema – eine Spurensuche in Rumänien – in Buchform zum Deutschen Jugendfotopreis eingereicht. Ihre Stilsicherheit ist dabei deutlich zu spüren. Mit filmischen Mitteln wie Totale und Nahaufnahme baut sie die Bildstrecke gekonnt auf. Die gut fotografierten Portraits und das schön gestaltete Buch machen auch aus dem Betrachter einen Spurensucher, der sich für das Leben der gezeigten Menschen interessiert. Die dezent eingewebten historischen Aufnahmen runden den stimmigen Gesamteindruck ab.

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über meine Fotos ...

Rumänien ist für mich ein Land, das in der Vergangenheit liegt. Die zwei oder drei Wochen im Jahr, die ich dort verbringe, vergehen so schnell, dass ich sie kaum wahrnehme. Ich kann mich nur an sie erinnern.
Ich denke an das Haus meiner Großeltern, in dem sich seit Jahren fast nichts verändert. Im Sommer ist das Haus von Efeu bedeckt und der Kirschbaum voller Früchte. In den Zimmern spüre ich das Leben von früher. Die Schulbücher meines Vaters und die Puppen meiner Tante liegen herum, die Zeichnung meines Bruders an der Wand ist hinter dem Bücherregal des Großvaters versteckt. Es ist das Haus in dem mein Vater aufgewachsen ist. Jedes Jahr sieht es genauso aus wie in meiner Vorstellung, so als ob keine Zeit vergangen wäre. Wenn ich durch Bukarest gehe, begegne ich der Wohnung meiner Mutter, ihrer Schule, ihrem Bäcker. Ich sehe, wie sie unten im Restaurant ein Stück Kuchen isst und wie sie ihre Freunde aus dem Haus gegenüber zum Spielen ruft. Ich erinnere mich an ihre Erinnerungen.
In den wenigen Tagen, die wir dort verbringen, sehen wir die Menschen, die meinen Eltern immer noch sehr nahe stehen. Aber zwischen ihnen und mir liegt die Entfernung der fehlenden gemeinsamen Erfahrungen. Wir kennen uns aus den Erzählungen meiner Eltern. Ich weiß, wie sie in der Schule waren, wie sie früher aussahen und ich kenne die vielen Geschichten ihrer gemeinsamen Erlebnisse. In einem Moment sind wir uns sehr vertraut, doch wenig später wird mir klar, wie kurz unsere gemeinsame Zeit nur ist. Familie heißt für mich das widersprüchliche Gefühl, einem Menschen gleichzeitig sehr nah zu sein und ihn nicht zu kennen.
Meine Eltern sind in Deutschland angekommen. Ich bin vertraut mir ihrem Gefühl des Fremdseins. Mein Vater sagt, er wollte sich mit seinen Kindern auf dem Spielfeld seiner Sprache bewegen. Als ich Rumänisch gelernt habe – viel später als Deutsch – dann auch, damit meine Eltern mit mir in ihrer Sprache sprechen können. So kann diese Sprache, die mir erst so einzigartig und märchenhaft erschien, nicht mehr meine Sprache werden, sondern nur die Sprache meiner Eltern bleiben. Meine Eltern und ich spielen auf zwei verschiedenen Spielfeldern. Wenn wir zusammen nach Rumänien fahren, bin ich diejenige, die fremd ist, mitten in unserer Sprache.
Das Rumänien, das ich fotografiere, dem ich immer wieder begegne, das so real existiert, liegt nicht am Schwarzen Meer. Es liegt in unseren Geschichten als ein Ort fremder und befremdlicher Geborgenheit.

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Interview

- Seit wann fotografierst Du?
-- Ich fotografiere seit ich 15 bin.

- Wie bist Du dazu gekommen?
-- Mein Bruder hat mir eine Pentax me super geschenkt.

- Was hat Dich zu den Fotos, die jetzt beim Deutschen Jugendfotopreis prämiert wurden, gebracht? Wie bist Du auf das Thema gekommen?
-- Ich habe versucht, mein Verhältnis zu Rumänien, dem Land aus dem meine Eltern kommen, zu erforschen. Auf der Webseite des Deutschen Jugendfotopreises steht ein kleiner Text bei meinen Fotos, in dem ich eben das erkläre.

- Wie hast Du die Fotos gemacht? Sind sie gestellt, inszeniert, sind es Dokumentationen oder Schnappschüsse?
-- Es ist der Versuch eines essayistischen Fotobuchs.

- Versiehst Du Deine Fotos mit Titel/Text?
-- Die einzelnen Bilder haben keinen Titel, das Buch schon. Ich habe den Titel "violett" gewählt, weil er sich zwar nicht direkt auf den Inhalt bezieht, doch aber dem Buch eine Stimmung oder Atmosphäre verleiht.

- Welche Technik hast Du benutzt?
-- Kleinbild analog

- Wo bzw. wem zeigst Du Deine Bilder? Wie präsentierst Du Deine Fotos?
-- Auf dem Rundgang der Hochschule habe ich das Buch auf einen kleinen Tisch gelegt. Auf der Wand vor diesem Tisch hing ein Bild, das zu der Serie gehört, aber nicht im Buch erscheint. Ich habe es also als eine Installation mit Tisch, Stuhl, Buch und Bild präsentiert.

- Hast Du eine eigene Homepage?
-- Nein.

- Hast Du Vorbilder in der Fotografie?
-- Es gibt einige Fotografen, mit denen ich versuche mich auseinander zu setzten. Deren Lektüre hilft mir, Gedanken zu orden und Ideen zu formulieren. Wolfgang Tilmans, Jürgen Teller, Bastienne Schmid, Michael Schmid, Wiebke Loeper, Sophie Calle, etc..

- Was ist für Dich das Fotografieren? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für Dich?
-- Ich versuche mit der Fotografie meine Umwelt zu erforschen, und so über meine persönlichen Erfahrungen einen allgemeinen Ansatz zu formulieren, der über mich und diese Erfahrungen hinausgeht.

- Malst Du, schreibst Du auch, machst Du Musik oder Videos?
-- Manchmal schreibe ich. Ich habe zwei Videos und einen Super8 Film gemacht. Ich zeichne.

- Wie wird in Deinem Umfeld Dein Hobby gesehen? Was sagen Deine Freundinnen/Freunde, Lehrer, Verwandten, Eltern dazu, dass Du fotografierst?
-- Für mich ist das Fotografieren schon lange kein Hobby mehr, sondern ein Weg.

- Hast Du Kontakt zu anderen (jungen) Fotografen, arbeitest Du allein oder auch mal in einem Team?
-- Ich arbeite allein. Innerhalb meines Studiums der Freien Kunst an der Kunsthochschule Braunschweig kenne ich einige andere junge Fotografen.

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1 Kommentar



wow colochoubiz, wow en serio, increible, me encanta, me hincha en corazon de alegria ver esto, estan rebuenas, y te ganaste un premio y todo, que cabrona, muchas felicitaciones, de verdad que me alegra inmensamente ver esto, wow super en serio, un beso
el oso
> oso, 28.3.07

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Preisträgerfotos + 2006 + Alter: 21–25 Jahre

 

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