Frieda Wagner - Serie: Ich will, was für dich selbstverständlich ist
Person
Karlsruhe, 21 Jahre
Jahr
2026
Kategorie
Jahresthema
Interview
Worum geht es in deinem Foto und wie ist die Idee dazu entstanden?
Es geht um meine ME/CFS-Erkrankung, durch die ich vor zwei Jahren aus meinem Leben gerissen wurde. Ich musste wieder zurück zu meinen Eltern ziehen und verbringe jeden Tag zuhause im Bett. Ich vermisse jede Sekunde meines alten Lebens. Diese Realität wollte ich dokumentieren und habe angefangen, Selfies zu machen, in denen ich genau so schaue, wie es mir gerade geht. Mittlerweile sind es über 150 Fotos.
Für welche Techniken/Materialien hast du dich entschieden und warum?
Ich habe mit meiner Handykamera fotografiert. Mir war es wichtig, dass die Selfies einfach im Moment entstehen und das auch zeigen. Ich wollte, dass so die Essenz meiner Gefühle hängenbleibt.
Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Die Fotos sind im Laufe von 1,5 Jahren entstanden. Jeden Tag, an dem ich daran gedacht habe, habe ich ein Selfie geschossen. Das einzelne Foto zu machen hat nur wenige Sekunden gedauert, da ich nichts gestellt, sondern immer genau den jeweiligen Moment abgebildet habe.
Was hat dir beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Am meisten Spaß hat gemacht, wie aus der ursprünglichen Idee ein großes Projekt entstanden ist. Noch heute mache ich weiter Selfies und freue mich am Wachsen der Arbeit. Sehr schwierig war es, die passenden Bilder für die Serie auszuwählen. Die rauszusuchen, die am besten zusammen funktionieren und am meisten aussagen.
Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest du den Menschen mitgeben?
Mir liegt es besonders am Herzen, auf die Erkrankung ME/CFS aufmerksam zu machen. ME/CFS ist eine neuroimmunologische Erkrankung, an der allein in Deutschland über 650.000 Menschen erkrankt sind. Es gibt für uns Betroffene keine Therapien und wir werden von der Politik ignoriert.
Damit ich und wir nicht vergessen werden, zeige ich mit meiner Arbeit wortwörtlich mein Gesicht und appelliere dafür: Seid laut für die, die es nicht mehr sein können.
Seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich fotografiere schon immer gerne mit meiner Handykamera, aber diese Arbeit hier ist meine erste ernsthafte fotografische Arbeit.
Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Ich fotografiere gerne Alltagssituationen und die Menschen und mich herum.
Was findest du an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für dich?
Fotografie kann zeigen, was tausend Worte nicht sagen können. Sie hält Momente fest und das immer mit den Augen dessen, der das Foto macht.
Persönlich lasse ich mich sehr gerne von Fotografie mitreißen und inspirieren.
Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Ich habe keine speziellen Vorbilder, finde aber historische Fotos besonders beeindruckend. Gerade auch, wenn unklar ist, wer sie geschossen hat.
Was hältst du von Fotowettbewerben? Hast du schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
Fotowettbewerbe sind eine tolle Möglichkeit, sich auszuprobieren und das Interesse an Fotografie zu entfachen oder weiterzuentwickeln. Außerdem kann man gut Kontakte knüpfen. Ich habe vorher noch nie an einem Fotowettbewerb teilgenommen.
Woran arbeitest du gerade?
Erstmal werde ich weiter an meinem Selfieprojekt arbeiten. Ansonsten überlege ich noch, wie ich eine neue Arbeit innerhalb meines begrenzten Raumes umsetzen kann.