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Cleo Beater - Serie: Berlin Lines - Zwischen Beats und Blocks

Person

Berlin, 20 Jahre

Jahr

2026

Kategorie

Jahresthema

Interview

Worum geht es in deinem Foto und wie ist die Idee dazu entstanden?
Mein Projekt heißt „Berlin Lines – zwischen Beats & Blocks“ und verbindet zwei Sachen, die ich ziemlich liebe: Berlin und Musik. Die Idee war, Orte zu fotografieren, die in Songs von Berliner Artists vorkommen und dadurch irgendwie schon ihre eigenen Geschichten mitbringen. Ich bin selbst in Berlin geboren und aufgewachsen und diskutiere erstaunlich oft darüber, ob Berlin jetzt schön oder hässlich ist – und ich glaube, genau dieses Dazwischen macht die Stadt für mich aus. Ich wollte Berlin deshalb nicht schöner machen, als es ist, sondern zeigen, warum gerade diese rauen, manchmal etwas kaputten Ecken so viel Charakter haben. Und irgendwann dachte ich: Wer erzählt diese Geschichten eigentlich schon die ganze Zeit? Berliner Musiker:innen.

Für welche Techniken/Materialien hast du dich entschieden und warum?
Mir war super wichtig, dass die Bilder nicht zu inszeniert wirken. Ich wollte Berlin so festhalten, wie es mir tatsächlich begegnet – deshalb habe ich viel mit Momentaufnahmen, Street- und Szenefotografie gearbeitet und Menschen fotografiert, die zufällig Teil dieser Orte waren. Gerade durch sie bekommen die Geschichten aus den Songs für mich nochmal richtig Leben.
Gleichzeitig habe ich viele kleine Details und Texturen gesammelt: Aufkleber, Wände, Graffiti, Schilder oder irgendwelche Spuren, an denen man normalerweise einfach vorbeiläuft. Dafür hatte ich sogar einen kleinen portablen Scanner dabei und habe direkt vor Ort Oberflächen und Fundstücke eingescannt. Ich wollte am Ende nicht nur Fotos von Berlin haben, sondern fast so eine kleine visuelle Sammlung davon, wie sich diese Orte anfühlen.

Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Angefangen habe ich im Dezember und insgesamt habe ich ungefähr zwei bis drei Monate an dem Projekt gearbeitet. Allein für die Fotos war ich an vier Tagen jeweils sechs bis sieben Stunden in Berlin unterwegs und bin teilweise wirklich einmal quer durch die Stadt gerannt. Danach kam aber noch der komplette Designprozess dazu: Bilder auswählen, bearbeiten, Layout bauen, drucken und am Ende sogar das Buch selbst binden. Es war also schon ein ziemliches Commitment, haha.

Was hat dir beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Am schönsten fand ich tatsächlich, meine eigene Stadt nochmal neu kennenzulernen. Obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin, war ich an Orten, an denen ich vorher noch nie war. Und wenn man mit einer Kamera unterwegs ist, schaut man sowieso plötzlich ganz anders hin. Ich habe angefangen, mich in irgendwelche Hauseingänge, kaputte Fassaden, Sticker, Lichtreflexe oder komplett unscheinbare Straßenecken zu verlieben.
Was ich auch richtig schön fand, waren die Begegnungen unterwegs. Ich wurde zum Beispiel ständig auf meinen Scanner angesprochen, weil die Leute wissen wollten, warum ich gerade mitten auf der Straße irgendeine Wand einscanne. Und auch wenn ich Menschen gefragt habe, ob ich sie fotografieren darf, sind teilweise total schöne Gespräche entstanden.
Herausfordernd war vor allem, dass ich das Ganze im Winter fotografiert habe. Teilweise bei Minusgraden, mit ziemlich wenig schönem Tageslicht und sehr, sehr kalten Fingern. :D

Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest du den Menschen mitgeben?
Ich würde mir wünschen, dass man nach dem Projekt vielleicht ein bisschen anders durch Berlin läuft. Dass man genauer hinschaut und nicht jede Ecke direkt in „schön“ oder „hässlich“ einordnet. Gerade die Orte, die auf den ersten Blick dreckig, laut oder unperfekt wirken, erzählen oft die interessantesten Geschichten.
Ich liebe diese Stadt wirklich sehr und wahrscheinlich ist das Projekt auch ein bisschen mein persönlicher Versuch, alle anderen davon zu überzeugen, wie cool es eigentlich ist, hier zu sein. Berlin muss nicht perfekt aussehen, um schön zu sein.

Seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?
Eigentlich fotografiere ich schon immer. Als Kind habe ich mir ständig die Spiegelreflexkamera meiner Mama geschnappt, bin damit durch den Garten gerannt und habe nach irgendwelchen Motiven gesucht. In der Schule habe ich dann auch immer bei Fotowettbewerben mitgemacht.
Und selbst wenn ich keine richtige Kamera dabei hatte, hatte ich irgendwie schon immer diesen Anspruch, auch mit dem Handy möglichst schöne oder cinematische Momente festzuhalten. Ich glaube, dieses ständige Beobachten und Motive-Sehen war einfach schon ziemlich früh da.

Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Am liebsten eigentlich das Leben, wie es gerade passiert. Ich liebe Momentaufnahmen, zufällige Arrangements und diese kleinen cinematischen Situationen im Alltag, die wahrscheinlich fünf Sekunden später schon wieder weg sind. Besonders gerne fotografiere ich auch Menschen in ganz natürlichen, wholesome Momenten – wenn sie gerade nicht für die Kamera posieren, sondern einfach komplett bei sich sind.
Ich glaube, ich suche weniger nach dem perfekten Motiv und mehr nach Situationen, bei denen ich kurz denke: Okay, das sieht gerade irgendwie nach Film aus.

Was findest du an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für dich?
Das Spannendste ist für mich, dass ein Foto einen winzigen Moment festhalten kann, der sonst einfach verschwunden wäre. Man kann damit so viel erzählen, ohne wirklich etwas erklären zu müssen.
Und ich merke auch, dass ich mit einer Kamera automatisch anders durch die Welt gehe. Sobald man durch diesen kleinen Rahmen schaut, achtet man plötzlich auf Licht, Menschen, Farben, Kompositionen und Details, die man sonst wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen hätte. Fotografie bedeutet für mich deshalb nicht nur, Erinnerungen festzuhalten, sondern auch, bewusster hinzuschauen.

Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Ich habe tatsächlich nicht dieses eine große fotografische Vorbild. Mich inspirieren viel mehr einzelne Bilder, Filme, Musikvideos, Magazine oder auch komplett zufällige Fotos, über die ich irgendwo stolpere. Gerade im Alltag oder auf Social Media speichere ich ständig Sachen ab, weil ich eine bestimmte Lichtstimmung, Perspektive oder einen Moment spannend finde.
Ich glaube, mein visueller Geschmack entsteht eher aus ganz vielen verschiedenen Einflüssen als aus einer bestimmten Person.

Was hältst du von Fotowettbewerben? Hast du schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
Ja! Tatsächlich schon ziemlich früh. An meiner Schule gab es damals einen internen Fotowettbewerb, bei dem ich regelmäßig mitgemacht habe. Ich fand Fotowettbewerbe schon immer spannend, weil Menschen dieselbe Aufgabe bekommen können und am Ende trotzdem komplett unterschiedliche Bilder entstehen.
Gerade bei Fotografie sieht man total schön, wie verschieden Menschen ihre Umwelt wahrnehmen. Jeder achtet auf andere Details und erzählt dadurch automatisch eine andere Geschichte. Und genau diesen Austausch finde ich eigentlich am spannendsten daran.

Woran arbeitest du gerade?
Tatsächlich an Berlin Lines Part 2! Für mich ist das Projekt nämlich noch lange nicht beendet. Berlin hat viel zu viele Orte, Geschichten und Songs, als dass ich nach einem Buch einfach aufhören könnte.
Seit dem ersten Teil kann ich außerdem gar nicht mehr normal Musik hören, ohne hellhörig zu werden, sobald irgendein Berliner Ort erwähnt wird. Dann denke ich direkt: Okay, da muss ich hin. Das Projekt wächst dadurch eigentlich die ganze Zeit weiter – und ich glaube, genau das mag ich daran.

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