Erik Jäger - Serie: Der Winter ist kalt und ich auch.
Person
Neckarsulm, 20 Jahre
Jahr
2026
Kategorie
Alter: 16–20 Jahre
Interview
Worum geht es in deinem Foto und wie ist die Idee dazu entstanden?
Bei meiner Serie geht es um unterdrückte Gefühle und Gedanken, die einen belasten und die man aktiv versucht, nicht zum Vorschein kommen zu lassen. Sie beschäftigt sich mit psychischer Gesundheit und damit, wie diese den Alltag beeinflussen kann. Die Idee entstand aus Beobachtungen in meinem Umfeld sowie aus meiner eigenen Auseinandersetzung mit diesem Thema im letzten Winter.
Für welche Techniken oder Materialien hast du dich entschieden und warum?
Ich habe dafür eine digitale Kompaktkamera benutzt, die ich schon als Kind gerne verwendet habe. Dadurch entsteht für mich ein Gefühl von Familiarität und nostalgischer Wärme.
Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Die Serie ist eine Mischung aus Inszenierung und Kuration, also aus bewusst geplanten Bildern und Fotografien, die ohne die Absicht entstanden sind, Teil der Serie zu werden. Am Ende wirkten sie jedoch wie fehlende Puzzleteile und haben das Gesamtbild vervollständigt. Das erste und das neueste Bild liegen etwa ein Jahr auseinander, die eigentliche Serie ist jedoch innerhalb weniger Wochen im letzten Winter entstanden.
Was hat dir beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Für mich geht es vor allem darum, Momente und Gedanken einzufangen. Diese Ideen fotografisch umzusetzen, war und ist für mich der erfüllendste Teil des Prozesses. Die größte Herausforderung bestand darin, die Bilder zu sortieren und die Auswahl auf die Serie zu reduzieren.
Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest du den Menschen mitgeben?
Ich möchte mit meiner Arbeit einen Raum schaffen, den man als Betrachter betreten kann. Durch meine Wahrnehmung der Welt und mein eigenes Bewusstsein möchte ich Menschen dazu anregen, über ihre eigene Sicht auf die Welt nachzudenken. Die Interpretation und Wahrnehmung unseres Selbst, der Welt oder von Kunst ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sich dieser Individualität bewusst zu werden, ist für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse beim Betrachten von Kunst.
Seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich habe schon als Kind gerne fotografiert. Erst später habe ich die Fotografie jedoch als persönliche Ausdrucksform wieder für mich entdeckt.
Was fotografierst du am meisten? Welche Motive und bei welchen Gelegenheiten?
Ich fotografiere am liebsten Momente und Menschen aus meinem Umfeld mit der Absicht, sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Der Impuls zu fotografieren entsteht oft intuitiv im Alltag, manchmal aber auch aus einer konkreten Idee, die ich umsetzen will.
Was findest du an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für dich?
Für mich ist der Moment, in dem man sich intuitiv entscheidet, ein Foto zu machen, der spannendste Teil des Fotografierens. Man entscheidet sich bewusst oder auch unbewusst dafür, einen Augenblick festzuhalten. Fotografie ist für mich eine starke Ausdrucksform und zugleich ein Mittel, mich selbst besser zu verstehen und klarer zu definieren.
Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Ich mag besonders Fotograf*innen, deren Fotos eine größere Geschichte erzählen können. Dazu gehören für mich unter anderem Wolfgang Tillmans, Nadia Lee Cohen, Martin Parr und Petra Collins.
Was hältst du von Fotowettbewerben? Hast du schon einmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
Ich finde Fotowettbewerbe eine großartige Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und ihnen eine Plattform zu geben. Das ist das erste Mal, dass ich an einem Fotowettbewerb teilnehme.
Woran arbeitest du gerade?
Ich habe vor, weitere Ideen fotografisch zu inszenieren, jedoch finde ich es im Rahmen der Kunst auch spannend, die Lebenslänglichkeit eines Projektes zu strecken und damit spielerisch und grenzenlos umzugehen, also vielleicht diese Serie in ein designlastigeres Print-Projekt umzusetzen oder sogar Kleidungsteile zu entwerfen, die in Korrelation zur Serie existieren.