Robert Kwaß
Person
Berlin, 25 Jahre
Jahr
2026
Kategorie
Alter: 21–25 Jahre
Interview
Worum geht es in deinem Fotobuch und wie ist die Idee dazu entstanden?
Es geht um die Geschichte meiner Mutter und meiner Oma. Es ist ein Buch, das die Verknüpfungen zwischen großen politischen Ereignissen und privatem Familienleben erkennt. Die verschiedenen Ebenen der Betrachtung ziehen sich durch die Bilder und sind dennoch nicht klar voneinander getrennt. Es gibt dokumentarische Betrachtungen von Orten, die mit der Geschichte in Zusammenhang stehen, inszenierte Fotografien und abstrakte Darstellungen.
Die Idee dazu entstand etwa 2 Jahre vor dem eigentlichen Fotografieren. Sprich, vor etwa 5 Jahren. Ich traute mir damals die Umsetzung noch nicht zu und denke auch, dass ich den richtigen Zeitpunkt gewählt habe, mit dem Fotografieren zu beginnen.
Für welche Techniken/Materialien hast du dich entschieden und warum?
Alle Bilder des Buches sind mit einer analogen 4x5-Kamera aufgenommen und mit demselben Objektiv fotografiert worden. Das war für mich ein Weg, die Zeit, die ich zum Fotografieren aufwende, auch wirklich sehr intentional zu gestalten. Die 4x5-Kamera bewegt mich meistens dazu, bereits vorher über die Bilder nachzudenken, die ich machen möchte. Außerdem macht sie technisch gewisse Dinge leichter. Mir war es beispielsweise wichtig, meine Kamera auf Augenhöhe mit den Menschen zu halten, die ich fotografiere. Die Technik der Kamera macht es möglich, das zu erreichen und dennoch den Bildausschnitt anzupassen.
Das Papier im Buch ist matt und dünn, aber es hat eine japanische Bindung. Das Buch sollte sich etwas fragil anfühlen, es nutzt sich zugegebenermaßen auch relativ schnell ab. Ich finde das wichtig, weil sich die Zeit, um die es ja auch geht, schnell daran bemerkbar macht.
Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Ich habe im September 2022 begonnen, Bilder für das Projekt zu sammeln, und im Mai 2025 damit pausiert, um eine klare Linie zur Fertigstellung des Buchs zu haben. Ich habe dann noch etwa 8 Wochen an dem Buch gearbeitet, bis ich es in den Druck geben konnte. Das Projekt läuft immer noch weiter.
Was hat dir beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Ich mache mir bewusst, mit welchen Menschen ich für ein Projekt Zeit verbringe. Es ist auch immer Teil der Entscheidung für ein Projekt, wenn ich weiß, dass ich gerne Zeit mit den Menschen verbringe, die ich fotografiere. Das bringt sowohl den Spaß als auch die Herausforderung. Nicht alle Menschen sind Fotograf*innen, es kann manchmal schwer sein zu erklären, was man da überhaupt macht und wie wichtig es einem ist. Das Projekt hat mich gelehrt, darüber besser zu kommunizieren und die Grenzen anderer wahr- und ernst zu nehmen.
Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest du den Menschen mitgeben?
Ich denke, das Projekt soll am Ende auch die Auseinandersetzung mit der eigenen familiären Herkunft anregen. Die interessanten Geschichten sind oft so nah und nur ein paar Fragen an die richtigen Menschen entfernt. Dieses Erfragen lässt Selbstreflexion zu und führt dazu, seine engeren Mitmenschen besser zu verstehen.
Seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich fotografiere seit 2020. Ich habe auf einem Flohmarkt eine analoge Kamera gefunden, für 5 Euro, glaube ich. Es war eine Konica C35, die hat auch einen Blitz eingebaut. Nachdem ich meinen ersten Schwarzweißfilm eingelegt hatte, kamen das erste Mal Bilder zurück, die mir gefielen. Danach gab es kein Zurück mehr.
Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Das ist schwer zu sagen. Ich denke in meinen Bildern viel darüber nach, wie das Licht ist, und versuche, auf die ein oder andere Weise spannende Lichtstimmungen zu erzeugen.
Die Gelegenheiten variieren ebenfalls. Manchmal bin ich ein Alltags- und Freundefotograf, der die Kamera einen Tag lang nicht aus der Hand legt, manchmal sind es abgesprochene, gut vorbereitete Termine, bei denen ich fotografiere. An anderen Stellen bewege ich mich extra zum Fotografieren an einen Ort, um ihn besser zu verstehen.
Was findest du an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für dich?
Ich nehme Fotografie zunehmend als Sprache wahr, wie es auch andere tun. Es berührt mich, wenn ich das Gefühl habe, mit einem anderen Menschen über Bilder kommunizieren zu können. Es ist meine Art und Weise, eine Form von Zugehörigkeit zu finden.
Spannend ist natürlich auch, dass so wenig Grenzen gesetzt werden, sich zu entfalten. Als Fotograf*in ist man keinem Stil verpflichtet, keiner bestimmten Technik oder einem bestimmten Ort für die eigene Kunst. Alles ist möglich.
Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Jeff Wall ist ein fotografisches Vorbild für mich, auch wenn man ihn nicht nur als Fotografen verstehen kann. Nan Goldin hat mir gezeigt, dass das direkte Umfeld im Leben einer fotografierenden Person Relevanz hat und nicht nur ins Fotoalbum gehört.
Was hältst du von Fotowettbewerben? Hast du schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
Fotowettbewerbe wie dieser haben für mich eine große Daseinsberechtigung, da es viel gute Kunst gibt, die in unserem Verwertungssystem keinen Platz findet. Besonders von jungen Menschen. Dennoch hängt Wettbewerben auch immer eine Form von Wertung an, die natürlich stark subjektiv ist und im richtigen Maße hinterfragt werden sollte.
Woran arbeitest du gerade?
Momentan interessiert mich Film auch zunehmend, wobei mein Zugang dabei auch fotografisch beziehungsweise dokumentarisch ist. Ich arbeite deshalb an einem Dokumentarfilm in Rumänien.