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Tanzen im Frühling
Linas eigene kleine Welt
In Mamas Armen
Erstaunen
Abendroutine
Markt Pausen
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Linas eigene kleine Welt
In Mamas Armen
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Abendroutine
Markt Pausen

Anna Lotta Maria Schulze - Serie: Lina

Person

Nordstemmen, 22 Jahre

Jahr

2026

Kategorie

Alter: 21–25 Jahre

Interview

Worum geht es in deinem Foto und wie ist die Idee dazu entstanden?
In meiner Arbeit geht es um meine kleine Schwester Lina. Ich erinnere mich nicht mehr an eine Zeit ohne sie, wir sind gemeinsam aufgewachsen und haben eine sehr intensive Beziehung zueinander. Lina hat eine schwere Behinderung und das beeinflusst auch mein Gefühl zu ihr als große Schwester, in dem Sinne, dass unsere gemeinsame Zeit oft daraus besteht, dass ich mich um sie kümmere. Sie hat eine sehr feine und ungefilterte Art auf die Welt zu blicken, und dadurch lerne ich durch sie ganz grundlegende und besondere Dinge über das Leben. Unsere Beziehung zueinander ist schwer zu begreifen und ich hatte schon immer ein großes Bedürfnis, unsere Welt anderen Menschen zu eröffnen. So ist dann ein Fotobuch über Lina entstanden, in welchem ich die Türen zu unserem Leben für andere aufschließe. Vor allem aber ist das Buch für Lina, in der Hoffnung, dass sie darin sehen kann, wie sehr ich sie liebe.

Für welche Techniken/Materialien hast du dich entschieden und warum?
Alle Bilder in der Arbeit sind schwarz/weiß. Unsere Beziehung ist sehr komplex, niemand weiß genau, wie Linas Gedanken und ihre Gefühle funktionieren. Ich finde, dass die Abwesenheit von Farbe in den Bildern den Zugang zu ihrem Innenleben klarer wirken lässt. Das schwarz/weiß reduziert die Bilder auf Linas Wesen, ihre Gefühle und ihre Gesten. Alles andere wird weniger wichtig und sie rückt in den Vordergrund.

Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Ungefähr sechs Monate.

Was hat dir beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Lina so intensiv durch die Kamera zu beobachten, hat mich auf eine Art unsere Beziehung noch mehr schätzen lassen, auch weil ich mich in der Zeit des Buchmachens so viel mit ihr beschäftigt habe, obwohl wir uns in dieser Zeit gar nicht gesehen haben. Herausfordernd war, dass Lina sehr sensibel auf eine Veränderung wie eine Kamera im Raum reagiert. Sie merkt sofort, wenn ich mich nicht mehr mit ihr, sondern mit dem Fotografieren beschäftige. Ich muss immer einen guten Moment abpassen, um ihr nicht das Gefühl zu geben, unwichtig zu sein.

Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest du den Menschen mitgeben?
Behinderung ist für mich Normalität. Ich möchte, dass es endlich sichtbar wird, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Lebensrealitäten haben und auch, dass das Schwesternsein vielfältig ist.

Seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?
Meine erste Kamera habe ich bei meinem Opa auf dem Dachboden gefunden. Eine Minolta, mit der ich dann alles fotografiert habe, was ich erlebt habe. Die Filme habe ich ins Labor geschickt und dann jedes einzelne Bild in Fotoalben geklebt. So habe ich die Fotografie lieben gelernt. 2024 bin ich auf den Studiengang Visual journalism and documentary photography aufmerksam geworden und habe mich direkt beworben.

Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Ich fotografiere am meisten unterschiedliche Lebensrealitäten von verschiedenen Menschen. Ich mag es, in neue mir unbekannte Welten einzutauchen und diese Mikrokosmen zu erforschen.

Was findest du an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für dich?Ich nutze die Fotografie seit dem Studium als journalistisches Sprachrohr und schätze diese Arbeit wahnsinnig wert.

Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Abgesehen von anderen Fotograf*innen (die Namen kann ich nicht alle aufzählen), sind meine größten Vorbilder meine Protagonist*innen. Ich bewundere ihren Mut, denn es braucht wahnsinnig viel Mut, sich Journalistinnen anzuvertrauen, und noch viel mehr, sich fotografieren zu lassen.

Was hältst du von Fotowettbewerben? Hast du schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
Ich finde es schön, dass Arbeiten wertgeschätzt werden, noch schöner fände ich es, wenn es weniger Wettbewerb und mehr ein voneinander lernen wäre.

Woran arbeitest du gerade?
Mein neues Projekt beschäftigt sich mit der Bildung für behinderte Kinder und Jugendliche in Deutschland. Es geht viel um fehlende Perspektive für eine Zukunft in einer Leistungsgesellschaft.

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