Felix Kircher - Serie: Chaotic Matter
Person
Berlin, 22 Jahre
Jahr
2026
Kategorie
Alter: 21–25 Jahre
Interview
Worum geht es in deinem Foto und wie ist die Idee dazu entstanden?
Die Arbeit ist während meiner Zeit an einer Fotoschule in Berlin entstanden. Für das Projekt habe ich mich von Fischli & Weiss inspirieren lassen. Chaotic Matter zeigt Körper und Dinge in fragilen Gleichgewichten, ohne klare Hierarchie. Rohre, Handschuhe, Badelatschen und ein menschlicher Körper erscheinen als gleichwertige Akteure. Funktion tritt zurück, Beziehung rückt ins Zentrum. Alltägliche Materialien verdichten sich zu fragilen Konstruktionen zwischen Ordnung und möglichem Zusammenbruch. Chaos und Kontrolle erscheinen dabei nicht als Gegensätze, sondern als zwei Zustände, die gleichzeitig existieren. Im Gegensatz zu unserer gesellschaftlichen Perspektive tritt der Mensch hier aus dem Zentrum und ordnet sich seiner Umgebung und der Installation unter.
Für welche Techniken/Materialien hast du dich entschieden und warum?
Ich habe hauptsächlich alltägliche Materialien genutzt, die ich im Haus meines Opas gefunden habe. Fotografiert habe ich mit einer Kamera und Aufsteckblitz. Durch das direkte und harte Licht bekommen die Fotos eine gewisse Intimität.
Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Ich habe zwei Tage im Haus meines Opas verbracht. Fertig wird es aber eigentlich nie – es ist eher ein ständiger Prozess, der kein wirkliches Ende findet, selbst wenn ich manchmal denke, dass ich fertig bin.
Was hat dir beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Die Entstehung der Fotos ist für mich eine Art des Spielens und es wird erst herausfordernd, sobald ich mir die Bilder ansehe und eine Auswahl mache.
Was liegt dir bei deiner Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest du den Menschen mitgeben?
Für mich war es sehr schön, mit meinem Opa an diesem Projekt zu arbeiten - daran werde ich mich noch lange erinnern. Da ich viel nachdenke und manchmal auch zerdenke, liebe ich dieses Sich-Verlieren in einem Moment. Was ich definitiv mitgeben möchte – für jede*n, der/die selbst gerne etwas kreieren möchte – ist, dass man einfach machen muss. Im Tun entsteht so viel mehr, als nur im Denken. Das ist so simpel, aber fällt mir oft am schwersten.
Seit wann fotografierst du und wie bist du zur Fotografie gekommen?
Ich kann mich gar nicht mehr genau daran erinnern, warum ich angefangen habe. Ich weiß nur noch, dass ich mit ungefähr elf oder zwölf meine erste Kamera bekommen habe. Am Anfang habe ich einfach fotografiert, was mir begegnet ist. Irgendwann wurde daraus mehr ein Spiel mit Situationen, Dingen und Menschen. Und seitdem bin ich irgendwie nicht mehr davon weggekommen.
Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Ich fotografiere viel im öffentlichen Raum und interessiere mich für eher absurde Beziehungen zwischen Mensch, Objekt und Umgebung. Oft sind es eigentlich ganz einfache Dinge oder Situationen, die mich anziehen – gerade, weil sie so unscheinbar sind. Ich glaube, am Ende sind es genau diese kleinen, etwas seltsamen Momente, die mich tief drin glücklich machen.
Was findest du an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Fotografie für dich?
Mich fasziniert, dass man zugleich reale und unreale Welten und Stimmungen schaffen kann. Etwas kann wirklich vor der Kamera passiert sein und sich trotzdem wie aus einer anderen Welt anfühlen. Eine eigene Sprache – mit der Möglichkeit, Dinge zu zeigen, für die ich sonst nie Worte finden kann.
Hast du Vorbilder in der Fotografie?
Keine wirklichen Vorbilder, eher einzelne Werke. Arbeiten von Erwin Wurm zum Beispiel hatten früh Einfluss auf mich und meine Arbeit.
Was hältst du von Fotowettbewerben? Hast du schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
An Wettbewerben habe ich bisher nur zwei Mal teilgenommen – mehr an Ausschreibungen für Ausstellungsteilnahmen. Ich finde es eine sehr gute Möglichkeit, sich als junge*r Fotograf*in ein Bild machen zu können, wie die eigene Arbeit in einem bestimmten Kontext gesehen wird. Ebenso die Plattformen zu nutzen, um unter den vielen Kreativschaffenden gesehen zu werden, kann sehr helfen. Oft sind interessante Persönlichkeiten in den Jurys und ein positives Feedback kann einem Vertrauen in seine eigene Arbeitsweise geben. Jeder Open Call verlangt auch eine tiefere Auseinandersetzung mit seiner eigenen Arbeit, was mir auch immer sehr geholfen hat, meine künstlerische Haltung zu festigen.
Woran arbeitest du gerade?
Ich möchte meine Arbeit immer mehr aus dem Bild heraus und in den Raum bringen. Mich interessiert das Nicht-Existente. Wann wird das Nicht-Vorhandene interessanter oder vielleicht auch bedeutsamer als das Existente? Wo liegt der Kipppunkt? Ich möchte Situationen so weit reduzieren, dass vielleicht nur noch ein kleines Fragment übrig bleibt und der Rest im Kopf entsteht. Jede*r Betrachter*in hat seine eigenen Projektionen und Fantasien. Vielleicht kann die Arbeit wie ein Spiegelbild des eigenen Selbst funktionieren – man betrachtet und findet am Ende vielleicht mehr über sich heraus als über das, was eigentlich vor einem steht. Kann man sich mit seiner Interpretation selbst konfrontieren?