Jolan von Hollen & Lina Rautenberg - Serie: circula obscura
Person
Dortmund, Ø 24 Jahre
Jahr
2026
Kategorie
Experimente
Interview
>>> Hier könnt ihr die Animationen auf youtube sehen
Worum geht es in eurer Arbeit und wie ist die Idee dazu entstanden?
In unseren Animationen haben wir mit einer selbstentworfenen und gebauten 360 Grad Lochkamera experimentiert, um Möglichkeiten und Grenzen analoger Fotografie zu erforschen. Schon seit wir vor Jahren mit analoger Fotografie angefangen haben, sind wir fasziniert davon, wie man Fotografie weiterdenken kann. Die Idee zu diesem Projekt gab es auch schon länger. Wir sind mal über ein Video gestolpert, in dem mit vielen Lochkameras experimentiert wurde. Dann haben wir uns in einem Fotoseminar zusammengetan und uns entschieden so etwas Ähnliches auch auszuprobieren. Der größte Teil der Arbeit war das Entwerfen der Kamera, weil alles genau kalkuliert werden musste, damit das abgebildete Motiv auch am Ende genau in der Größe auf dem Film zu sehen ist, wie wir das wollten. Nach dem Planen konnten wir mit dem Bau und später mit dem Fotografieren starten.
Für welche Techniken/Materialien habt ihr euch entschieden und warum?
Analoger Film - pro Animation /Auslösung ca. 3 Meter; Lochkamera (74 Löcher im Kreis angeordnet und gleichem Abstand)
Wie lange hat es gedauert, bis alles fertig war?
Der Bau und Entwurf der Kamera hat 2 Monate gedauert, das Fotografieren, Scannen und Bearbeiten auch etwa 2 Monate. Genau genommen ist das Projekt auch noch in der Anfangsphase, da wir bis jetzt erstmal nur experimentiert haben und uns noch speziellen Themen widmen wollen.
Was hat euch beim Prozess am meisten Spaß gemacht? Was war herausfordernd?
Spaß gemacht hat uns vor allem, dass etwas, was man monatelang zuvor im Kopf entworfen hat, dann auch wirklich funktioniert. Der Moment, als wir das erste Mal einen Film aus der Entwicklerdose geholt haben und wirklich etwas darauf zu sehen war, hat uns wahnsinnig glücklich gemacht.
Herausfordernd war besonders der Bau, weil wir beide nur wenig Erfahrung in dem Bereich hatten. Zum Glück hatten wir tolle Hilfe und haben wirklich viel dabei gelernt. Wir beide ergänzen uns als Team auch gut, da Jolan eher perfektionistisch arbeitet und damit auf wichtige Details achtet und Lina das Projekt vorantreibt und manchmal einfache Lösungen für komplexe Probleme findet.
Was liegt euch bei eurer Arbeit besonders am Herzen? Was möchtest ihr den Menschen mitgeben?
Mit Fotografie ist so viel möglich und es lohnt sich, darin einzutauchen und herumzuexperimentieren.
Was fotografiert/ filmt ihr am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
Bei unserem Projekt spezifisch haben wir versucht, Bewegungen einzufangen, da dadurch der Effekt des Zeitstillstehens besonders eindrucksvoll wirkt. Für kommende Projekte mit der Kamera wissen wir noch nicht genau, in welche Richtung es geht, wir wollen aber auf jeden Fall noch Fashion- und Produktfotografie damit probieren.
Was findet ihr an dem Medium spannend? Welche persönliche Bedeutung hat Film für euch?
Das Spannende bei unserem Projekt ist, dass man durch Film die Möglichkeit hat, nicht nur die Einzelbilder zu betrachten, sondern eine 360-Grad-Ansicht eines Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt bekommt. Dadurch erschließt sich die Verbindung von Standbildern in der Fotografie und Bewegtbildern des Films.
Habt ihr Vorbilder beim Film?
Inspiriert wurden wir unter anderem durch Muybridge und seine Studien über Bewegungen bei Menschen. Auch er hat mit Sequenzen und Bewegungen experimentiert. Zudem von Tim Macmillan und Andreas Neumann, von dem wir damals das Video gesehen haben. Außerdem ist natürlich der „Bullet-Time-Effekt“ aus Matrix ein Vorbild gewesen. Da wurde im Grunde die gleiche Technik verwendet, die wir benutzt haben (also viele Kameras im Kreis angeordnet, um einen 360-Grad-Blick zu bekommen). Wir wollten diesen Effekt erzeugen, aber halt analog.
Was haltet ihr von Foto-/ Filmwettbewerben? Habt ihr schonmal an einem Wettbewerb teilgenommen?
Wir finden es generell etwas schwierig, Bilder und Projekte objektiv miteinander zu vergleichen und daraus einen Gewinner auszuwählen. Trotzdem ist es natürlich toll, als Künstler*in durch einen Preis Wertschätzung zu erfahren, eben besonders, um seine Projekte einem Publikum zugänglich zu machen und Kontakte zu knüpfen.
Woran arbeitet ihr gerade?
Derzeit sind wir in der Planungsphase für unsere Bachelorarbeiten und überlegen natürlich weiterhin, für welche Projekte wir unsere Kamera weiterhin nutzen wollen.