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Aus dem Fotobuch: Nach den Dingen.

Tabea Borchardt

Essen, 25 Jahre

Deutscher Jugendfotopreis 2016
Allgemeiner Wettbewerb | Altersgruppe D (21-25 Jahre)

Fotobuch-Preis 500 €

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Jurybegründung

Was ist es, das am Ende bleibt? Dieser Frage geht Tabea Borchardt in ihrem berührenden Buch „Nach den Dingen“ nach. Sie lässt die persönlichen Dinge aus dem Nachlass ihres Vaters erzählen. Dabei arbeitet sie mit Fotos von den Gegenständen, mit Archivmaterial, (handschriftlichen) Texten, mit gescannten und mit eingeklebten Objekten. Archiviert in Buchform, eingebunden in einen Schutzumschlag zum Schutz der Dinge und Erinnerungen. Das ist eine wahre Materialvielfalt, die die Möglichkeiten des Mediums Fotobuch voll ausschöpft und in dieser Präsentationsform eine neue Qualität erfährt. Ein rundum außergewöhnliches Projekt, bis ins kleinste Detail durchdacht und in echter Handarbeit präzise gefertigt.

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Interview

Wie bist du auf die Idee zu deinem Fotobuch gekommen?
- Das Fotobuch „Nach den Dingen“ zeigt die Gegenstände des Nachlasses meines 2014 an Krebs verstorbenen Vaters. Beinahe alle Gegenstände, die wirklich eine persönliche Relevanz haben, sind darin vertreten. Nach seinem Tod faszinierte und erschrak es mich zugleich, wie wenig Dinge es am Ende sind, welche einen direkten Verweis auf ihren Besitzer hinterlassen. Wie vieles dahingegen lediglich eine Anhäufung von austauschbaren Gegenständen ist. Bereits ein flüchtiger Blick auf die Dinge meines Vaters schaffte es, einen Schwall von Momenten in mir auszulösen. Aus Angst, nach dem Verlust meines Vaters, auch über den Verlust dieser Dinge entstand rasch die Entscheidung, sie zu konservieren, in Buchform zusammenzufassen und jedes für sich zu würdigen.

Was war dir wichtig, worum ging es dir dabei?
- Mit der fotografischen Dokumentation und der Zusammenführung und somit Speicherung in einem Buch wollte ich für mich die Dinge in eine Form bringen und darauf aufmerksam machen, wieviel Potenzial zum Erzählen Gegenstände haben.
Zeitgleich ist es eine Untersuchung, wie sehr ganz persönliche Gegenstände beinahe wortlos mit fremden Menschen sprechen können. Und wie diese persönliche Dokumentation eines Nachlasses weiteren betroffenen Personen eine Stütze sein kann oder Menschen einen Einblick ermöglicht in die Gefühlswelt einer Person, die einen solchen Verlust auf sich nehmen musste.

Die Reise in die Vergangenheit meines Vaters war für mich…
- … wie eine letzte Umarmung einer geliebten Person. Viele der Gegenstände beinhalten persönliche Erinnerungen. Somit war die Arbeit häufig sehr emotional aufgeladen und teilweise tagelang kein Weiterarbeiten möglich. Andererseits war die Reise in die Vergangenheit auch sehr lehrreich und schön, da sie mir aufzeigte, dass die Momente, die ich mit meinem Vater erlebt hatte, wichtig waren. Banale Situationen zu Hause ebenso wie z.B. Momente auf fernen Reisen.

Wie schwierig war die Auswahl und Eingrenzung der Text- und Bildmaterialien?
- Eine Möglichkeit zu finden für die Anordnung und Größenverhältnisse der unterschiedlichen Bildebenen (neu aufgenommene Bilder der konkreten Gegenstände, Archivansichten, zweidimensionale gescannte Objekte, Texte sowie Foto-Objekte), war verzwickt. Doch als ich mich an der Arbeit meines Vaters, der Musik, orientierte, entwarf ich einen Reihenfolgen-Kanon, der mir half, das Buch zu organisieren. Zudem versuchte ich, Dopplungen zu vermeiden und die Gegen-stände auszuwählen, welche nicht nur für mich persönlich eine Wichtigkeit haben, sondern auch universell verstanden werden können.
Bis auf ein Zitat sind alle Texte selbst für das Buch verfasst.

Warum hast du genau diese Arbeit eingereicht? Was fasziniert dich an ihr?
- Die Arbeit hat neben der ganz persönlichen Wichtigkeit für mich eine große gesellschaftliche Relevanz, da sie ein Thema anspricht, welches jeden von uns betrifft. Der Tod wird eher verheimlicht oder verneint. Mir ist ein bewusster Umgang mit Leben und Tod wichtig. Durch diese Arbeit wollte ich zudem darauf verweisen, wie wichtig der Mensch hinter den Dingen ist, und dass nur einige wenige Dinge „danach“ bleiben – im Umkehrschluss somit die Zeit vor dem Tod die wichtige ist, welche man nutzen sollte.

Wie ist das Fotobuch entstanden? Welche Technik(en) hast du benutzt?
- Die Fotografien sind überwiegend digital entstanden. Die Objekte, die neu aufgenommen worden sind, entstanden alle in meinem Essener Atelier, und aus meinem privaten sowie dem Familienarchiv flossen Bilder ein. Für den Text habe ich mit Bleisatztechnik gearbeitet und anschließend das Buch selbst gebunden und die fotografischen Objekte bei allen 15 Exemplaren von Hand ein-gefügt. Der Umschlag war, obwohl das Buch dann bereits so gut wie fertig war, eine Entscheidungsfrage, die den Fertigstellungsprozess des Buches in die Länge zog. An dieser Stelle sei den Unterstützern aus den Reihen der Folkwang Universität gedankt: Heike, Christoph, Harald, Frau Seeger sowie Frau Bullacher.

Über welchen Zeitraum erstreckte sich das gesamte Buchprojekt?
- Insgesamt habe ich circa ein Jahr an dem Buch gearbeitet. Jedoch flossen auch ältere Archivarbeiten in das Buch mit ein, welche schon in den letzten 5-8 Jahren entstanden sind.

Seit wann fotografierst du?
- Insgesamt seit circa 10 Jahren. Jedoch mit unterschiedlicher Intensität. Ernsthaft ist die Auseinandersetzung mit der Fotografie seit circa sechs Jahren würde ich sagen.

Wie bist du zur Fotografie gekommen?
- Im Alter von 14 Jahren schenkten meine Eltern mir eine komplette Dunkelkammerausrüstung, die sie günstig erstanden hatten, zum Geburtstag. Obwohl ich dann nicht sofort der Fotografie verfiel, war dies doch der Startpunkt einer Auseinandersetzung mit diesem Medium.

Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
- Das ist bunt gefächert. Auftragsarbeiten erstrecken sich von Kinder- und Familienfotografien über Porträts und Dokumentationen sowie Reportagen. Im künstlerischen Bereich arbeite ich nicht nur mit selbst fotografierten Bildern, sondern ebenso mit Archivmaterial und mit der Collage. Menschen tauchen immer weniger in meinen Arbeiten auf – ich lasse gerne die Dinge oder Orte sprechen.

Hast du Vorbilder in der Fotografie?
- Fotografieschaffende, die würdevoll und respektvoll mit Menschen im Bild umgehen. Zudem fotografische Arbeiten, die von Fotografen gemacht worden sind, die nicht nur auf rein ästhetischer Basis arbeiten, sondern mit ihren Arbeiten einen sinnvollen Zweck verfolgen.

Welche persönliche Bedeutung hat die Fotografie für dich?
- Sie ist (m)ein Transportmedium vom Sichtbaren und dem darunter Verborgenen. Ein Kommunikationsmittel, das der (meiner) unzureichenden Fähigkeit von Sprache beiseite steht.

Wo und wem zeigst du deine Bilder? Stellst du deine Fotos aus?
- Ausstellungsplattformen sind eine der sinnigsten und besten Möglichkeiten, seine Arbeit zu zeigen. Wobei es mir nicht um eine reine Selbstdarstellung geht, sondern um die Möglichkeit, in einen Austausch zu treten und bestenfalls zuvor nicht gedachte Gedanken beim Betrachter auszulösen. Gruppen- sowie Einzelausstellungen und themenbezogene Rahmenausstellungen (wie zum Beispiel Tagungen zur Palliativmedizin) habe ich bisher mit meinen Arbeiten besucht. Gern spreche ich auch im kleinen Kreis mit Freunden und Bekannten und anderen Fotografieschaffenden über meine Arbeiten. Zudem schreibe ich als Redaktionsmitglied Artikel bei kwerfeldein.de - einem online Fotografiemagazin.

Wo findet man deine Bilder im Internet?
- www.tabeaborchardt.com
www.facebook.com/tobepictures
www.instagram.com/tobepictures
www.tumblr.com/tobepictures
https://kwerfeldein.de/author/tabea/

Wie wurdest du auf den Deutschen Jugendfotopreis aufmerksam?
- Man hält sich so im Netz auf… und wenn man ein wenig mit der Fotografie zu tun hat, kommt man schnell auf die dazugehörige Website.

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