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Aus der Serie: Atme Deutschland

Danny Hane

Hamburg, 20 Jahre

Deutscher Jugendfotopreis 2015
Allgemeiner Wettbewerb | Altersgruppe C (16-20 Jahre)

2. Preis 400 €

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Jurybegründung

„Atme Deutschland!“ gibt Danny Hane seinem Land mit auf den Weg. In seiner gleichnamigen Serie zeigt er exemplarisch sechs Blicke auf Deutschland. Er beleuchtet alltägliche Situationen und friert wichtige gesellschaftliche Ereignisse ein, konzentriert sich auf Emotionen, auf subtile Momente. Als aufmerksamer Beobachter hält er das pure Leben fest, ganz unverstellt, das Leben in Deutschland, das über den Moment hinaus keinen Stillstand kennt. Der Betrachter ist mitten drin in den Szenerien dieses facettenreichen Lebens. Danny Hanes gekonnt komponierten Schwarzweiß-Bilder transportieren ganz beeindruckend die Stimmungen vor Ort, sie fesseln. Eine starke fotografische Leistung.

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Interview

Das Jahresthema lautete „Mein Deutschland“. Hattest du hierzu spontan eine Idee oder sogar bereits Fotos, die zum Thema passten?
- Das erste Foto zeigt einen Vater und sein Kind, wie sie Hand in Hand rennend vor einem historischen Gebäude fast abheben. Das Foto drückt eine Lebensfreude aus und zeigt eine ganz andere Facette von Deutschland, wie man sie vielleicht nicht so oft vermittelt bekommt. Das gefiel mir gut und ich dachte sofort an das Foto, als ich hörte, dass das Thema "Mein Deutschland" ist.

Was war dir wichtig, worum ging es dir dabei?
- Ich habe mich bemüht, so viel ungestellte Ehrlichkeit zu zeigen, wie es ein Standpunkt hergibt, ohne zu bewerten und ohne dabei ein Anspruch von Wahrheit zu verfolgen. Es ist eine persönliche Auseinandersetzung mit Deutschland, die aber auch eventuell für jemand anders eine Relevanz haben kann. Ich kann mich noch erinnern, plötzlich stand ich da auf der Reeperbahn, „wir“ waren Weltmeister, ein Traum, den ich seitdem ich klein war, hatte. Und dennoch konnte ich mit dem, was auf einmal vor sich ging, nichts anfangen - mit der Feierei - und ich fuhr irgendwann gegen 5 Uhr morgens nach Hause und stellte mir immer wieder die Frage, was es denn überhaupt bedeutet, deutsch zu sein. Vielleicht hat mich genau deswegen der Ausdruck des Pfandflaschensammlers auf Bild 5 so angesprochen.

Wie ist deine Serie entstanden? Welche Technik(en) hast du benutzt?
- Ich hatte stets eine sehr sehr kaputte 1100d mit einem 40mm Objektiv dabei und habe Fotos von meiner Umwelt gemacht, ohne jeglichen Hintergedanken, nur den Wunsch, Leben zu fotografieren. Ich bin zum Beispiel auf die ganzen Demos zufällig und ohne politische Absicht geraten. Später habe ich die Fotos mit der immer gleichen Schwarz-Weiß-Vorgabe "bearbeitet". Gucke ich jetzt auf diese Zeit zurück, war es eine Selbstfindungsphase und ich frage mich, wie man überhaupt mit so einer Kamera Fotos machen konnte.

Warum hast du genau diese Serie ausgesucht? Was fasziniert dich an ihr?
- Für mich sind diese Fotos nur Skizzen, Anfänge, Standpunkte. Fotografie ist für mich eine Sprache und ich habe jetzt erst begonnen, sie zu lernen. Nicht anders sollte diese Serie aufgefasst werden, als eine kurze, persönliche Auseinandersetzung mit Deutschland. Ich denke, Bild 1, 3 und 4 sind ganz gute Skizzen und man kann spüren, dass ihnen eine nicht benannte Bedeutung zugrunde liegt, warum sie gemacht wurden. Mich faszinieren im Allgemeinen die Vielschichtigkeit und die interpretatorische Komplexität, die ein beziehungsweise der Moment haben kann.

Wie bist du zur Fotografie gekommen? Weißt du noch, was dein erstes Foto war?
- Ich habe mit 17 angefangen, mittels meiner Smartphone-Kamera meine Lebenssituation und mein Umfeld festzuhalten. Da ich es nie bewältigt bekommen habe, ein Tagebuch zu führen, wurden meine Fotos mein Tagebuch. Anhand der Fotos wusste ich immer, was ich an dem Tag gemacht habe und wie meine Gefühlswelt aussah. Irgendwann fiel mir auf, ich dokumentiere mich selbst durch das Leben anderer. In dieser Zeit ist auch mein "erstes" Foto entstanden. Das Bild zeigt ein Kind, welches sehnsüchtig aus dem Busfenster guckt, während es im Arm seiner Mutter ist. Ich war auf dem Rückweg von der Schule und konnte mich in dieses Kind sofort hineinfühlen, weil ich das Gleiche gefühlt habe, die gleiche Sehnsucht. Ich bin zur Schule ge-fahren, als es dunkel war, und als ich wieder raus kam, war es genauso dunkel und ich saß am Busfenster wie dieses Kind und guckte verloren aus dem Fenster. Das meinte ich, man dokumentiert sich selbst durch andere Menschen. Vielleicht wüsste ich das alles nicht mehr, wenn es dieses Foto nicht gäbe. Es war der erste Versuch, das Innere dieses Kindes, welches sich im Äußeren zeigt, fotografisch zu erfassen. Nichts anderes tue ich auf dem Bild von der Frau vor der Polizeimannschaft.

Was fotografierst du am meisten? Welche Motive, bei welchen Gelegenheiten?
- Ich habe das Streben, alles und immer zu fotografieren, auch ohne Kamera. Es ist das reine, nicht getrübte, nicht bewertende Beobachten, welches ich so liebe und welches die Fotografie und der Fotograf in ihrer Essenz sind. Im Moment stellt sich mir eher die Frage, was man nicht fotografiert. Denn wenn man versucht, den Moment festzuhalten, muss man darauf achten, dass er und sein Wunder einem nicht entgehen. Ich denke, der Mensch interessiert mich schon am meisten. Die Kamera auf jemand anderen zu richten, ist immer auch das Richten auf sich selber. Irgendwann realisiert man, dass man sich immer nur selber fotografiert hat. Warum und wo man dann ein Foto macht, muss immer wieder überraschend sein. Das Resultat eines Impulses, basierend auf Neugier und losgerissen von Ungeduld.

Hast du Vorbilder in der Fotografie?
- Ich mag Richard Avedons Bilder sowie die von Henri-Cartier Bresson - letztens habe ich Fan-Ho für mich entdeckt. Ich finde es auch interessant, wie Kinder fotografieren. Katzen wären hervorragende Fotografen - sie sind stets präsent, impulsiv, eigenwillig, verspielt, sie spazieren gerne und wenn es so aussieht, als ob sie schlafen, merkt man, dass sie trotzdem ihre Umwelt ganz genau wahrnehmen. Leider fehlt ihnen aber ein Daumen. Sie sind fotografisch trotzdem ein Vorbild.

Welche persönliche Bedeutung hat die Fotografie für dich?
- Ich vergesse eher meinen Kopf als meine Kamera. Meist folgt jedoch das eine aus dem anderen. Die Kamera zeigt einem immer wieder "Jetzt!".

Wo und wem zeigst du deine Bilder?
- Ich zeige eigentlich ungern jemanden Fotos von mir. Ich habe letztens einer Freundin Bilder gezeigt und sie meinte, dass meine Bilder "atmen". Das hat mir so gut gefallen, dass ich einfach die Serie danach benannt habe.

Tief einatmen, einfach mal durchatmen, nach Luft schnappen oder hyperventilieren – wie atmet Deutschland?
-Atmen impliziert Leben und das vergisst Deutschland gerne, voller Aufregens über momentane Konflikte, der belastenden Vergangenheit und der ungewissen Zukunft. Bei so vielen Problemen kann man ganz schnell vergessen, dass man lebt und was das für ein riesiges Geschenk ist, zu leben und Lebendigkeit zu sein. Ich möchte "Danke" sagen, danke, dass ich bin und danke, dass ich sein darf, es ist für mich das größtmögliche Privileg das alles hier miterleben zu dürfen.

Wo findet man deine Bilder im Internet?
- Das Internet schien mir nie der beste Platz für meine Fotos zu sein.

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Preisträgerfotos + 2015 + Alter: 16–20 Jahre

 

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