



| events | preisverleihung | 2006 |
Das bestätigen Martin Brosig und Thomas Hammer aus Berlin, die mit ihren Fußballbildern überzeugen. Die beiden 18-Jährigen stellten das Fußballleben so dar, wie es tausend-, wenn nicht millionenfach in Deutschland funktioniert: Von unten, ohne Glamour und teure Stadien. Auf Fotos von Bolzplätzen – „in der Plattenbausiedlung, wo wir auch herkommen“ – zeigten sie, wie wirklich gekickt wird, dokumentierten den Straßenfußball. Zum Deutschen Jugendfotopreis kamen sie übrigens über Martins Oma. Die hatte die Ausschreibung gesehen und ihrem Enkel empfohlen, mitzumachen. So erfolgreich, dass sich die beiden Fußball-Fans – der eine Schiedsrichter und und Hertha BSC-Fan, der andere Torwart und Borussia Dortmund-Anhänger – bei der Preisverleihung noch einen weiteren Bonus abholen: Ein Autogramm von Yves Eigenrauch.
Fußball als soziales Projekt fotografierte auch Ali Alpaydin. Gemeinsam mit seiner Fotogruppe des Jugendtreffs Derrsiedlung, Katholische Jugendwerke – einem sozialen Brennpunkt in Leverkusen – bildete er das Kicken zwischen Hochhäusern und Beton ab. Der Zwölfjährige gehörte anfangs gar nicht zu den Fotografen, sondern war einfach nur ein fußballspielender Junge. Aber Sozialarbeiterin Sibylle Mall drückte auch der Fußballtruppe Kameras in die Hand, mit denen die Jungs richtig loslegten. „Wenn man seine Eindrücke festhält, hat man länger was davon“, sagt Ali – und mit diesem einfachen Satz hat er absolut recht, wenn man die Fotos seiner Fußballkumpels in wirklich ungewöhnlicher Umgebung sieht.
Jury-Mitglied Julia Fassbender, im wirklichen Leben Fotografin beim Bundespresseamt, wühlte sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen durch rund 10000 Bilder – 2500 Teilnehmer schickten ihre Fotos ein. „Wir haben jedes Foto angeschaut. Mit ein bisschen Erfahrung sieht man recht schnell, welche Bilder gut sind. Über die genauen Platzierungen haben wir dagegen lange diskutiert.“ Es habe oft mehrere Fraktionen gegeben, die für dieselben Bilder stimmten, berichtet Julia Fassbender. „Und manchmal haben sich diese Gruppen dann wieder komplett auseinander bewegt“, erzählt sie von dem schwierigen, aber „unheimlich spannenden“ Prozess. Insgesamt war das Niveau hoch, sagt Julia Fassbender, viele Schwarz-Weiß-Fotos hat es gegeben, wenig politische Themen. Helmut Völter, der selbst noch vor ein paar Jahren am Wettbewerb teilnahm – und gewann – hätte am liebsten noch mehr Zeit gehabt, um sich mit den Arbeiten auseinander zu setzen. „Wir haben so viele tolle Arbeiten gesehen, die man bestimmt erst nach ein paar Jahren wirklich richtig einordnen kann.“
Der Preisverleihungs-DJ Ausstellungsbesucher

Martin Brosig und Yves Eigenrauch

Ali Alpaydin von der Fotogruppe Derrsiedlung

Jurymitglieder Helmut Völter und Julia Fassbender (vorne), dahinter Dieter Vorsteher. / Die komplette Jury findet ihr hier >>>