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Preisverleihung 2006

Teil 2

Ein ähnlich engagiertes Thema wählte auch Anna Jockisch, die in einem orthodoxen jüdischen Viertel in Israel fotografierte, in dem nach traditionellen Regeln gelebt wird. „Da rein zu kommen, war gar nicht so einfach“, sagt die 20-Jährige und lacht: „Die haben mich beim ersten Mal direkt wieder rausgeschmissen, weil ich eine Hose und keinen Rock trug.“ Besser gewappnet machte sie weiter und beobachtete mit der Kamera vor allem die orthodoxen Männer, die durch die Straßen eilen. „Dafür habe ich mich auch mal eine halbe Stunde in eine Nische gestellt und gewartet, bis das perfekte Motiv kam.“ Den ganzen Aufwand trieb Anna auch deswegen, weil sie „mehr über den Nahostkonflikt wissen wollte“. Sie hat viel gelernt, über Recht und Unrecht, erzählt sie. Auch in Zukunft wird sie weiter mit der Kamera dokumentieren wollen, sagt Anna, die mit 13 Jahren mit der Fotografie anfing. „Seit ein paar Wochen studiere ich Foto-Journalismus in Hannover.“

Eine interessante Arbeit stammt von Julian Freisler, der mit vier Jahren begann, seine Schwester zu fotografieren. „Wir haben die Fotos natürlich gekannt, aber richtig spannend wurde es, als wir sie zu einer Serie zusammenlegten“, berichtet Vater Jürgen, der selbst in den 60er Jahren mehrmals erfolgreich am Wettbewerb teilnahm. „Jetzt möchte man gerne wissen, wie es weitergeht“, heißt es in der Jury-Begründung, die die Bilder der vergangenen vier Lebensjahre der Schwester – Julian ist heute acht Jahre alt – begeistert bewertete.

Eine Serie mit Porträts reichte auch Jacob Börner ein. Der 25-Jährige fotografierte Bewohner eines Heims für sozial benachteiligte Menschen in Hamburg. Die Senioren auf den Bildern fragte er nach ihrem Einverständnis – und bekam so gut wie keine Absage. Auf das Thema kam Jacob, der seit rund vier Jahren mit der Kamera experimentiert, als er in dem Stadtteil für sein Fotografie-Studium arbeitete und einen Bewohner des Heims kennenlernte. „Die Menschen mit ihren Geschichten haben mich einfach interessiert.“

Eine der jüngsten Preisträgerinnen ist Emily Hiltmann, die gleich zwei Preise einheimst. Die Fünfjährige gewinnt den 2. Preis beim Allgemeinen Wettbewerb und den 1. Preis beim Themen-Special „Fußballfieber“. Mit ihrer „billigen Praktica-Kamera“, so nennt ihre Mutter das Siegerinnen-Werkzeug, fotografierte sie ihre Pantoffeln und ihre Füße von oben, ein perspektivisch interessantes Bild, zu dem man sich direkt eine Geschichte ausdenken kann. Absicht war das Bild hingegen nicht, sagt Emily und lacht: „Das habe ich nur aus Versehen gemacht.“ Aber das Mädchen mochte das Bild und zeigte es direkt den Eltern, von denen sie anscheinend das Talent hat – beide fotografieren professionell. Beim Fußball-Thema dokumentierte sie die Nachbarjungs beim Kicken und suchte aus den Fotos gemeinsam „mit Mama und Papa“ die besten Bilder aus. „Und dabei hat sie nicht unbedingt nur auf unseren Rat gehört“, sagt Emilys Mutter.

Emilys Fußball-Bilder wählte auch Jurymitglied Yves Eigenrauch mit aus, der beim Sonderthema, zu dem 350 Einsender 1000 Fotos einreichten, als Experte im doppelten Sinne mit ins Boot geholt wurde. Der ehemalige Profifußballer des FC Schalke 04 war neben seiner Fußballkarriere „seit dem Kunstleistungskurs am Gymnasium“ von der Foto-Leidenschaft erfasst. Eigenrauch zeigt sich begeistert von den individuellen Sichtweisen der Teilnehmer. „Obwohl die Kinder und Jugendlichen immer stärker von den Medien geprägt sind, entwickeln sie in den Fotos ganz eigene Welten.“ Dabei beobachtet er einen großen Unterschied zwischen den Altersgruppen: „Natürlich arbeiten die Älteren viel konzeptioneller als die Jüngeren, die aber dafür manchmal mit viel mehr Unbekümmertheit tolle Bilder machen“, erklärt der Juror. „Das hat in der Jury auch zu kontroversen Diskussionen geführt, was aber immer spannend war.“ Selbst eher fotografischer Purist, der möglichst nicht in das Bild eingreifen möchte, ist Eigenrauch fasziniert vom technischen Know-how und der Kreativität des Nachwuchses, der mit Bildbearbeitungsprogrammen Bilder komponiert. Eines wurde Eigenrauch jedenfalls klar. „Das Klischee, das die Jugend sich mit Themen nicht inhaltlich beschäftigen möchte, ist absolut falsch.“

 

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Die Community www.fotofieber.de                            Darius, einer der jüngsten Preisträger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Anna Jokisch (links) konnte zusätzlich zu ihrem Hauptpreis auch noch den Publikumspreis, einen i-Pod entgegennehmen.

 

 

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Hans-Peter Bergner und Julian Freisler mit seiner Urkunde

 

 

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Emily Hiltmann vor ihrem "Pantoffelbild"

 

 

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Michael Imhof und Yves Eigenrauch