zum Anfang des Inhalts


| events | preisverleihung |

Deutscher Jugendfotopreis 2015: Das Preisträgerforum

Berlin, 25. – 27. September 2015

Veranstalter: Deutsches Kinder- und Jugendfilmzentrum (KJF), Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Deutsches Historisches Museum (DHM), wannseeFORUM Berlin.

Ein Bericht von Stefanie Loos

Die festliche Preisverleihung und Ausstellungseröffnung im Deutschen Historischen Museum und ein vielfältiges Workshop-Programm: Das Finale des Deutschen Jugendfotopreises 2015 bildete ein dreitägiges Preisträgerforum. Das idyllisch gelegene wannseeFORUM in Berlin war der Zielpunkt, auf den die PreisträgerInnen als erstes zusteuerten. Aus dem ganzen Bundesgebiet trudelten die fotobegeisterten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein, um hier ein Wochenende ganz im Zeichen der Fotografie zu verbringen. Im Sinne des diesjährigen Wettbewerbsthemas „Mein Deutschland“ sollte beim Preisträgerforum ein besonderer Fokus auf die politische Seite der Fotografie gelegt werden. In Berlin, der Stadt die wie keine andere mit der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands verbunden wird, befanden sich die Teilnehmenden genau am richtigen Ort, um diesem Thema fotografisch nachzuspüren.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Zur Einstimmung fand gleich eine Fotoaktion statt, bei der sich die Teilnehmenden selbst in Szene setzten. An der großen Fotowand ordneten sie das Begrüßungsporträt ihrem prämierten Wettbewerbsbild zu – ein erstes Kennenlernen auf fotografischer Ebene.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich an diesem Wochenende aber nicht nur per Bild begegnen. Nach der offiziellen Begrüßung durch das Veranstalterteam – Jan Schmolling (KJF), Walter Staufer (bpb) und Annette Ullrich (wannseeFORUM) – ging es gleich ans Eingemachte: Angelehnt an die World-Café-Methode nahmen die TeilnehmerInnen intensiv fotografische und politische Themen in Angriff. In unterschiedlichen Konstellationen diskutierten sie Fragen wie „Hast du ein Bild im Kopf, wenn du an Wiedervereinigung denkst?“, „Was fotografierst du gerne?“, „Wer ist deine Lieblingsfotografin bzw. Lieblingsfotograf?“, „Welche Bilder zum Thema Flucht kommen dir in den Kopf?“

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Der Nachmittag verging wie im Flug, und nach einem kurzen Imbiss hieß es bereits: Fertig machen zur Weiterreise, der erste Höhepunkt des Wochenendes steht an! Mit dem Bus wurden die TeilnehmerInnen zum Deutschen Historischen Museum (DHM) gebracht. Dort sahen sie zum ersten Mal ihre prämierten Bilder in der Ausstellung „Mein Deutschland“. Im Schlüterhof des DHM fand die Präsentation einen würdigen Ort, so manchen war der Stolz darüber im Gesicht abzulesen: Wow. Mein Bild hängt jetzt im Deutschen Historischen Museum!

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Nach der ausführlichen Besichtigung der Ausstellung näherte sich dann endlich der erste Höhepunkt – die mit Spannung erwartete Preisverleihung vor fast 500 Besuchern. Nach der Begrüßung durch Ulrike Kretzschmar, Ausstellungsleiterin beim Deutschen Historischen Museum und dem Grußwort von Dr. Ralf Kleindiek (Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) sprachen Thomas Krüger (Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung) und Christian Müller-Rieker (Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbandes). Danach wurde es richtig „ernst“. Gespannt wie bei der Oskarverleihung saßen die 28 PreisträgerInnen auf ihren Stühlen. Wer würde welchen Preis bekommen?

Ein ums andere Mal verkündete Moderatorin Linda Süß die Platzierungen und die jungen Fotografinnen und Fotografen kamen auf die Bühne. In Interviews erläuterten sie ihre Arbeiten, es wurden Hände geschüttelt und Urkunden überreicht, Siegerfotos gemacht und der verdiente Applaus genossen. Im Gespräch mit den Jurymitgliedern Miriam Hüning, Jana Kühle und Günther Anfang wurde die aufwendige Entscheidungsfindung, die dieser Preisverleihung vorausging, transparent gemacht. Eva Bürgermeister, Leiterin des Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrums, und Jan Schmolling, Leiter des Deutschen Jugendfotopreises, beendeten die Preisverleihung mit einem großen Dank an alle Veranstaltungspartner und Mitwirkenden und kündigten die kommenden KJF-Wettbewerbe an.

Zum Abschluss trafen sich alle Preisträgerinnen und Preisträger noch einmal auf der Bühne fürs gemeinsame Gruppenfoto, neben der Urkunde hatten alle auch noch eine druckfrische Ausgabe des Kataloges zu Ausstellung „Mein Deutschland“ in Händen. Damit war der offizielle Teil der Preisverleihung abgeschlossen war und es konnte ans Feiern gehen. Nach der Preisverleihung durften sich alle noch mit Häppchen stärken und auf ihre Preise anstoßen. Es wurde eifrig im Ausstellungskatalog geblättert und diskutiert. Manche ließen sich noch schnell stolz neben ihrem prämierten Bild ablichten, denn bald wurde wieder zum Aufbruch gerufen, es ging zurück zur „Homebase“, dem wannseeFORUM. Dort diskutierten einige noch bis spät in die Nacht – während andere lieber ihre Kräfte sammelten, denn der nächste Tag sollte ganz im Zeichen der Workshops stehen...

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Am Samstag wurden die PreisträgerInnen dann selbst aktiv. Nach einer kurzen „Fotogymnastik“, bei der die letzte Müdigkeit aus den Knochen geschüttelt wurde, lernten sie die Workshop-Dozentinnen und -Dozenten kennen. Andi Weiland, Frank Seifert, Silke Krüger und Anika Lampe stellten die Konzepte der vier Workshop-Angebote zum Themenbereich Deutsche Teilung und Wiedervereinigung vor – und alle TeilnehmerInnen ab 14 Jahren hatten nun die Qual der Wahl...

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Die Jüngeren hingegen mussten sich nicht entscheiden – für sie war ein maßgeschneiderter Workshop mit Thomas Blank und Lina Ruske im Programm: Vor Ort im wannseeFORUM hatten sie den ganzen Tag Zeit, sich unter dem Motto „Meine KanzlerInnen-Kandidatur“ in eine Rolle als Wahlkämpfer hineinzufinden. Das Resultat eines Tages voller Verkleidungsaktionen, Wahlkampf-Fototerminen, Wahlslogan-Brainstorming, Plakatgestaltung und jeder Menge Spaß waren Wahlplakate, auf denen die Kinder sich selbst und ihre Wahlziele in Szene setzten. Von der DKP (Deutsche Kinder Partei) bis zu den künftigen Kandidatinnen als Bundeskanzlerin reichten die Ideen.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Währenddessen machten sich die älteren PreisträgerInnen nach einem kurzen theoretischen Input in vier Gruppen ins Berliner Zentrum auf. Dort trafen sie auf „ihre“ Fotografen und der praktische Workshopteil begann. Politische Bildung und kulturelle Medienbildung vereint in der Frage: Kann man mit Bildern die Gesellschaft verändern?

Der Workshop von Michael Biedowicz (Bildredakteur beim ZEITmagazin und Galerist bei „pavlov’s dog“) und Andi Weiland beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit Fotografie ein Medium der Erinnerung, Kommunikation und Manipulation sei. Michael Biedowicz, der damals die Maueröffnung an der Bernauer Straße fotografierte, berichtete den Teilnehmenden sowohl von seinen Dokumentationen des ostdeutschen Mode-Undergrounds vor '89 als auch von seiner heutigen Arbeit als Bildredakteur. Als theoretischer Input diente ein Text aus dem ZEITmagazin, der die Grundlage für den praktischen Workshopteil legte. Vom Treffpunkt an der Gedenkstätte Bernauer Straße aus machten sich die Jugendlichen auf, eigene fotografische Arbeiten zu entwickeln. Hier ging es darum, das manipulative Potential, das bereits in der Wahl des Bildausschnittes einer Fotografie wirksam wird, in Bildpaaren offenzulegen.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Die TeilnehmerInnen des Workshops mit der Fotografin Bettina Flitner und Frank Segert starteten an der Gedenkstätte Berliner Mauer. Dort hatte Bettina Flitner 1989/90 ihre erste große fotografische Arbeit „Reportage aus dem Niemandsland“ erstellt.

Auf dem ehemaligen Todesstreifen berichtete sie, wie sie damals aus dem Gefühl heraus, der Euphorie nicht trauen zu können, Menschen porträtierte. Im Gespräch vermittelte sie eindringlich, dass man als Mensch hinter der Kamera wissen müsse, was man vom porträtierten Gegenüber wissen will. Die Kamera diene hierbei lediglich als Instrument.

Im praktischen Workshopteil machten sich die Teilnehmenden dann auf, um selbst Porträts zu erstellen. Mit der Frage „Was würden Sie tun, wenn heutzutage wieder eine Mauer gebaut würde?“ gingen sie auf Passanten zu und erstellten so eine Bildserie zum Thema.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Der Workshop von Roland Wirtz und Silke Krüger startete im Atelier des Künstlers. Die Teilnehmenden konnten sich hier einen Eindruck von dessen Arbeitsweise verschaffen. Mit beeindruckenden selbstgefertigten Kameras erstellt Roland Wirtz analoge großformatige Originale. Für eine seiner Werkgruppen, die sich mit dem Thema der deutsch-deutschen Teilung beschäftigt, baute er den Laderaum eines Transporters zu einer Kamera um, die zeitgleich Aufnahmen in entgegengesetzten Richtungen vornehmen kann.

Im praktischen Teil ging es zur Bösebru¨cke an der Bornholmer Straße – dem Ort, an dem 1989 der erste Grenzübergang geöffnet wurde. Dort machten sich die TeilnehmerInnen auf Spurensuche, mit Sofortbildmaterial erstellten sie selbst fotografische Unikate dieses geschichtsträchtigen Ortes.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Im Workshop von Harald Hauswald und Anika Lampe hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit dem Fotografen, der wegen seiner kritischen Fotografien des DDR Alltags unter Beobachtung durch die Staatssicherheit stand, ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss an den einführenden Dokumentarfilm „Radfahrer“ stellten sich viele Fragen: Wie geht man als Künstler damit um, unter Beobachtung des Staates zu stehen? Wie kann man in dieser Situation seinen Beruf trotzdem ausüben? Welche Motivation steckt hinter dem Sujet der Alltagsfotografie?

Im praktischen Teil ging es an Orte der deutsch-deutschen Teilung, zum Brandenburger Tor und dem Potsdamer Platz, zu den Mauerresten in der Niederkirchner Straße und zum Checkpoint Charlie. Hier entdeckten die Teilnehmenden die (Un-)Sichtbarkeit der ehemaligen Grenze und stellten sich der Aufgabe, das heutige Leben an diesen Orten fotografisch einzufangen.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Auch für die begleitenden Eltern gab es ein Bildungsprogramm. Walter Staufer (Bundeszentrale für politische Bildung) hatte nach einem Morgenspaziergang am Wannsee eine Führung im Haus der Wannseekonferenz organisiert, die viele neue Eindrucke hinterließ und zum Wiederkommen anregte. Das Kinder- und Elternprogramm am Sonntag machte an der Glienicker Brücke die frühere Teilung zwischen Ost und West erfahrbar.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Am Samstagabend, als alle wieder im wannseeFORUM eingetroffen waren, stellten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegenseitig die spannenden Ergebnisse und Erlebnisse ihres Workshop-Tages vor. Allmählich ging der Abend in den „informellen“ Teil über: Bis tief in die Nacht fachsimpelten die Preisträger und Preisträgerinnen, von denen einige „was mit Fotografie“ studieren, mit den Mitgliedern der Jury und dem Veranstaltungsteam. In entspannter Atmosphäre wurden eigene Fotoserien analysiert, es ergaben sich Anregungen und Ideen für neue Projekte. Mit dem Preisträgerforum verbindet der Deutsche Jugendfotopreis die Absicht, neue persönliche Erfahrungen zu ermöglichen und Perspektiven zu vermitteln. In gewissem Sinne handelt es sich durchaus um eine Stil-, Berufs- und ja: letztlich Lebensberatung. In den Gesprächen begegnen sich alle Beteiligten – ob die jüngeren Preisträger oder die Fotostudenten, die Juroren und das Wettbewerbsteam – immer auf Augenhöhe und lernen voneinander. Denn natürlich ist die Auszeichnung zunächst das Wichtigste – vom Deutschen Jugendfotopreis nehmen die Teilnehmenden aber nicht nur Urkunde und Preisgeld mit nach Hause. Der Austausch und die Vernetzung der PreisträgerInnen wirken mindestens ebenso nachhaltig.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Am Abschlusstag gab es nochmal kräftig Input: Paula Markert und Julian Röder, zwei Fotoschaffende, die sich in ihren Arbeiten mit politischen Themen auseinandersetzen, waren eingeladen. Bei der Präsentation ihrer Fotoarbeiten boten sie einen ausführlichen Einblick in ihr Schaffen, die Hintergründe ihres Arbeitens und ihre persönliche Motivation. In der anschließenden Diskussion wurden Themen wie „Gibt es überhaupt noch Bilder die noch nicht gemacht wurden?“, „Wie wird Fotografie politisch?“ angegangen. Es kamen aber auch ganz praktische Fragen auf, wie zum Beispiel „Wie komme ich als FotografIn überhaupt ins Geschäft?“, „Wie lassen sich aufwändige Projekte finanzieren?“.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Im Anschluss legte sich der Fokus noch einmal auf den diesjährigen Jugendfotopreis. Miriam Hüning und Michael Biedowicz als Jurymitglieder, sowie Jan Schmolling, Tilman Lothspeich und Martina Ledabo aus dem Organisationsteam des KJF berichteten über das Geschehen „hinter der Bühne des Jugendfotopreises“. Auf besonderes Interesse stießen dabei ihre Erläuterungen zum Jurierungsprozess: Um die Preisträger zu ermitteln, werden in einem mehrstufigen Auswahlverfahren die besten Arbeiten Schritt für Schritt aus Tausenden von eingesandten Bildern herausgefiltert. Die Jurymitglieder verdeutlichten noch einmal ganz genau, was ein gutes Bild braucht, um aus diesen Fotomassen herauszustechen und erläuterten ihre Entscheidungen anhand einiger konkreter Arbeiten.

Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015 Preisverleihung 2015

Und nachdem, mehr oder weniger, alle Fragen gestellt und beantwortet waren hieß es langsam Abschied nehmen. Last but not least erhielten Lina Ruske und Thomas Blank großen Applaus für die Leitung des Preisträgerforums. Nach dem Mittagessen brachen die TeilnehmerInnen wieder auf in Richtung Heimat, voller neuer Eindrücke und Erfahrungen – und mit hoffentlich noch mehr Lust am Fotografieren. Wir sind schon gespannt, was in Zukunft von ihnen zu sehen sein wird!