



| events | preisverleihung | 2004 |
Mit einem Projekt, das weit über Fotos hinausgeht, hat der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Oberhausen in der Altersgruppe A den ersten Preis gewonnen. Die Vier- und Fünfjährigen beschäftigten sich angesichts der Ereignisse im Irak mit dem Thema „Flucht“. „Wir wollten die Fotografie als Mittel nutzen, mit denen die Kinder ihre Gefühle zu diesen Vorgängen ausdrücken können“, sagt Gisela Larisch, die Leiterin des Kindergartens. Das Projekt hatte daher auch mehrere Phasen, mit denen sich die Kinder dem Thema nähern konnten. Zunächst standen Rollenspiele auf dem Programm, dann schloss der Kindergarten Kontakt zum Asylbewerberheim Oberhausen-Holten. „Die 15 Kinder stellten fest, dass es auch Flüchtlinge in ihrer Umgebung gibt.“ Nach mehreren Besuchen und Gegenbesuchen, bei denen sich die Kinder gegenseitig fotografierten und interviewten – die Kinder aus dem Heim nahmen ebenfalls beide Rollen ein –, lief das Projekt hervorragend. Es entstanden ungewöhnliche Einblicke in die Welt des Asylbewerberheims, die auch viel Negatives zeigen, Schmutz, Armut, Enge zum Beispiel. Aber sie vermitteln auch, dass „die Kinder dort die gleichen Spiele spielen wie die Kinder in unserem Kindergarten, dass sie die gleichen Bedürfnisse haben“, sagt Gisela Larisch. Es habe allen viel Spaß gemacht, „aber es war auch eine bewegende Zeit für alle.“
Franziskus Dornhege ist 14 Jahre alt und hat den zweiten Preis in der Altersgruppe A geholt. Das ist schon allein für sich etwas Besonderes, der Jugendliche aus Münster hat aber noch mehr zu bieten. Seine 15-jährige Schwester Paula hat den 3. Preis in der Altersgruppe B und sein 15-jähriger Bruder Jacob hat den 2. Preis beim Sonderthema „Familienbilder“ gewonnen, was Franziskus so richtig freut. „Wir haben alle früh angefangen zu fotografieren“, sagt der Sohn eines Fotografie-Professors an der Fachhochschule Münster, „aber die richtige Begeisterung kam erst hier mit dem Wettbewerb. Unser Vater hat uns so ein bisschen angetrieben, mal mitzumachen.“ Franziskus schickte ein Foto ein, auf dem drei junge Leute in der Frühstückspause zu sehen sind, sie wirken müde und abgespannt. Das Foto ist ungestellt, farbenfroh, es beobachtet die drei auf unaufdringliche Weise. „Das ist mein Bruder mit einem Freund, die haben ein Praktikum im Krankenhaus gemacht und mussten immer um 6 Uhr anfangen. Erst wenn alle Patienten Frühstück hatten, durften die sich da mal hinsetzen und essen.“ Warum er selbst dort im Krankenhaus war, so früh? „Ich hatte frei, und hatte keine Lust, nur rumzuhängen, da bin ich da mal hin mit der Kamera.“ Paula gewann mit einem Foto von ihrem Bruder Jacob, sie bekrickelte ihn mit Kugelschreiber, lichtete ihn ab, nur den Oberkörper, und schickte das Foto ein. „Modern in der Bildsprache, perfekt in Farbe und Machart“ heißt es in der Jury-Begründung, sie lacht: „Eigentlich ist das nur aus Langeweile entstanden.“

1. Preis in Altergruppe A: Kindergarten der AWO Oberhausen
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