



| events | preisverleihung | 2004 |
Eines des Kunstwerke hat Johannes Thönes eingereicht. Er ist erst elf Jahre alt und hat doch eine der emotionalsten Serien des Wettbewerbes geschaffen. Der blonde Junge aus Witzhelden porträtierte über ein Jahr seine Großeltern mit Schwarzweiß-Bildern und gewann damit den 1. Preis beim Sonderthema „Familienbilder“. Das Besondere an seiner Reihe ist, dass er eine entscheidende Phase im Leben der Großeltern mitbekommen hat. „Am Anfang waren die noch ganz gesund, und wir haben immer im Garten geholfen“, erzählt er, „dann wurde mein Opa krank und musste ins Krankenhaus.“ Johannes begleitete seine Großeltern, „mit über 200 Bildern“. Auf den ersten zwei Fotos sehen die beiden noch sehr lebensmutig aus, der Großvater grüßt, „da sind wir gerade reingekommen und er hat seinen Hut gezogen“, die Großmutter sitzt am Küchentisch und arbeitet. Auf den weiteren Bildern erblickt man die Oma allein, sie starrt in die Ferne. Dann sitzt sie mit dem Opa zusammen im Krankenhaus, und noch einmal zu Hause. „Da waren die sehr traurig, weil sie nicht wussten, wie alles weitergeht.“ Die Großeltern, das erzählt Johannes’ Vater, zogen kurz nach dem letzten Foto ins Altersheim, es ging nicht mehr alleine. 19 Tage später starb der Opa. „Ich mache heute nur noch ab und zu Fotos, je nach Situation“, sagt Johannes.
Die vier Mädchen sind aufgeregt, schon lange vor der Verleihung. Sie sind alle zehn Jahre alt und reden durcheinander, wenn sie von ihrem Fotos erzählen, mit denen sie den 500 Euro-Gruppenpreis für die Altersgruppe A gewonnen haben. Viktoria Heilmann, Marie Oster, Julia Buße und Victoria Mondorf haben mit zwölf Mitschülern aus der Fotogruppe „Schule Mitte“ aus Oberursel das Gedicht „Die knipsverrückte Dorothee“ von James Krüss fotografisch umgesetzt – und auch sonst „fotografieren wir den ganzen Tag“. Ihre Fotos überzeugen durch das ausgefeilte Arrangement, für die Zeile „Auch vom Pinscher namens Satan sah man nur das linke Ohr“ nahmen sie einen Plüschhund auf, aber eben nur das linke Ohr im extremen Anschnitt. Eine „eigenständige Foto-Story, umgesetzt mit einer modernen Bildsprache“, nannte das die Jury. Ob sie mal Fotografinnen werden wollen, darüber denken die vier noch nicht nach - die Arbeit in der Gruppe, die sie zudem als kleines Theaterstück mit verteilten Rollen aufführten, war vor allem eine „Superzeit“.

Johannes Thönes, 1. Preis im Sonderthema »Familienbilder«

Fotogruppe „Schule Mitte“