
Foto: Michael Sartor
Kind eines Photographen, mit 14 nebenberuflich voll tätig, aber auch schon Redakteur von Schülerzeitungen etc. (zusammen mit Frank Darchinger, heute Bildjournalist). Lehre, danach 15 Jahre als Photograph selbständig, damit Finanzierung des Studiums und der Künstlerei. Ab 1985 Professor in Krefeld, momentan Dekan sowie Ehemann einer bewegten Frau und Vater eines 16jährigen. Der Rest ist eher uninteressant... (steht unter Biographie auf der Homepage).
Relativ wenige: Ein Lehrer machte mich auf den Preis aufmerksam, ich habe eingereicht und ein oder zwei Mal einen Trostpreis gewonnen. Beim zweiten Mal war ich bereits Photograph und war über L.Fritz Grubers Interpretation meiner Bilder im Katalog einigermaßen entsetzt (1970). Danach habe ich nie mehr an einem Wettbewerb teilgenommen.
Bin Sohn eines Photographen, der seinen Job nicht besonders mochte (aber berufspolitisch sehr aktiv war). Konnte meinen Vater nicht besser ärgern als mit der Wahl dieses Berufs. Heute illustriere ich gern meine Vorträge mit eigenen Aufnahmen.
Rolf Sachsse, DJF Praisträgerbild 1970
Richtige Form in richtigem Kontext zur richtigen Verwendung mit richtiger Verwertung. Richtig im Sinn von vernünftig, logisch, dialektisch.
Um nicht ausgelacht zu werden, wenn er das Rad zwei Mal erfindet - also wie bei allen Künstlern. Außerdem hält Theorie jung.



Fotos: Rolf Sachsse aus "Gedankenbilder/der
zweite Diskurs"
Zur Zeit mache ich diese Entscheidung wieder etwas rückgängig, siehe oben: Vorträge mit eigenen Aufnahmen. Eigentliche Gründe gab es seiner Zeit zwei: Der intensive Unterricht (pädagogischer Eros klingt nicht gut, trifft es aber - ich unterrichte sehr gern und, denke ich, auch ganz gut) hat meine visuelle Kreativität und Spontaneität in der Konzeptfindung gebremst, ich begann mich zu wiederholen und hatte Angst, à la Mick Jagger noch mit 82 'I can't get no satisfaction' zu singen. Der andere, äußere, wahrscheinlich wichtigere Grund lag darin, dass in Deutschland niemand ernst genommen wird, der zwei Dinge in gleicher Qualität und Intensität tut. Das wissenschaftliche Arbeiten kam öffentlich besser an (warum, weiß ich bis heute nicht).
Photographie ist ein Eingabemedium (der Text dazu findet sich auf meiner Homepage) - immer weniger Leute schreiben heute mit der Hand, also werden auch immer weniger Leute mit dem Photoapparat umgehen. Doch es werden (rein quantitativ im Auftreten) immer mehr Bilder - und die müssen analog zur Schriftkultur gelesen werden. Ich bin der Überzeugung, dass die Wahrnehmung von Bildern in ähnlicher Weise wie die Wahrnehmung von Text als vernünftiger Akt von statten gehen kann (siehe: formdiskurs No.9, Frankfurt am Main 1999).

Andersherum wird ein Schuh daraus: Durch die Hirnforschung verstehen wir unsere Wahrnehmung besser, und das wird unseren Bildbegriff entscheidend verändern, in Richtung eines geordneten Diskurses à la Foucault, (natürlich auch als Machtmittel, wie wir es momentan in Kriegen und terroristischen Auseinandersetzungen erleben) - mich interessiert zur Zeit der Bildgebrauch im Islam.
Ein klassisches Medienphänomen: Menschen werden zu Ikonen, negativ wie positiv. Ihr Bild wird zum Symbol historischer Entwicklungen, damit die vielen Menschen, die mitgemacht haben oder nur mitgelaufen sind und 'Hurra' gebrüllt haben, sich selbst entschulden und entschuldigen können. Hitler ist der böse Bube der Geschichte und wurde in jüngster Zeit durch Saddam Hussein ersetzt, bis der nächste Diktator gleicher Schlechtigkeit kommt. Baader ist die negative Figur einer Pop-Geschichte deutscher Politik namens 1968. Sein Posieren für ein verklemmtes Schwulenmagazin zeigt, wie ein fotografisches Bild sich quer in die Geschichte einschreiben und dort für eine Festlegung des politisch Kriminellen sorgen kann. Prinzipiell ist dies auch mit jedem anderen Portrait oder Erinnerungsfoto möglich.
Tu' es trotzdem - Du bleibst arm, aber es macht Spaß.
Homepage
Handbuch "Bildjournalismus heute - Beruf, Ausbildung, Praxis"
Buch "Kleine Geschichte der Fotografie"
Buch "Die Erziehung zum Wegsehen, Fotografie im NS-Staat"
"Baader eine Ikone, Hitler ein Popstar" (Interview mit der
"taz")