
Geb. 1967, Studium Kommunikationsdesign, später Kulturwissenschaft und Kunstgeschichte. Gründungsmitglied von "Nach dem Film", elektronisches Magazin für Film- und Medientheorien. Seit Januar 2001 künstlerische/wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM), Arbeitsschwerpunkt "Gender und Medien". Verschiedene kuratorische Tätigkeiten und Publikationen, zuletzt Mitherausgeberin von "Future Bodies. Zur Visualisierung von Körpern in Science und Fiction" (Springer Verlag 2002).
Ich war einmal bei einer Preisverleihung in Bochum, zu dem Zeitpunkt studierte ich bereits in Essen Visuelle Kommunikation. Ich weiss noch, dass derjenige, der die Rede dort hielt, etwas altväterlich zu mir gesprochen hatte. Auch die "größeren" Jungs wie Ralph Baiker und Martin Eberle - die zwar ungefähr mein Jahrgang waren, aber schon länger als ich studierten - kamen wohlwollend zu mir, klopften mir auf die Schulter und sagten: "Schönes Bild". Das vermittelte mir alles einen Eindruck, der sich dann auch während meines Studiums zunehmend bewahrheitete, nämlich, dass die Fotoszene schon ein ziemlicher Jungsverein ist. Aber der Preisgewinn war natürlich extrem motivierend.
Katrin Peters, Preisträgerbild DJF 1988
In der Fotografie sah ich die Möglichkeit, ein bisschen "Weltgewandtheit" zu bekommen. Ich hatte damals die Vorstellung, als Bildjournalistin viel reisen und neue Sachen kennenlernen zu können. Und wollte natürlich meinem Interesse an Bildgestaltung & bildnerischem Arbeiten nachkommen - ich hatte immer etwas darunter gelitten, dass ich nicht sehr gut Zeichnen und Malen konnte. Rückblickend eine absurde Idee, dass künstlerische Begabung sich nur auf die Kopf-Hand-Koordination belaufen soll, wie es im Kunstunterricht immer vermittelt wird. Ich hoffe, dass Kunstlehrer inzwischen davon abgewichen sind.
Ja, auch wenn ich selbst nicht mehr konzeptuell oder künstlerisch fotografiere - außer für mein Familienalbum, und das sollte als solches ja auch nicht unterschätzt werden. Fotografie spielt für mich inzwischen vor allem in der theoretischen Auseinandersetzung eine sehr große Rolle, meine Doktorarbeit behandelt medizinische Fotografie im 19. Jh., genauer gesagt Repräsentationsformen von Sexualität. Auch in meiner Lehre als Medienwissenschaftlerin an der Kunsthochschule für Medien in Köln (KHM) setze ich mich viel mit fotografischen Arbeiten von StudentInnen auseinander.
Einerseits ist "gut oder schlecht" eigentlich eine verpönte Kategorie, in der theoretischen Auseinandersetzung kann man mit der Unbegründbarkeit dieser Begriffe einfach nicht arbeiten. Andererseits gebrauche ich natürlich - wie alle Menschen, die an Bildern interessiert sind und damit arbeiten - selbst diese Kategorien. Es verändert sich allerdings ständig, was ich als gutes Bild empfinde. Vor zehn Jahren hätte ich die "Camera Austria" noch durchgeblättert und gedacht, da ist doch kein einziges gutes Bild in dem Heft. Inzwischen muss es für mich nicht mehr unbedingt einen stimmigen Bildaufbau haben. Es kann auch sein, dass ich Bilder oder Fotoarbeiten aufgrund ihres Konzepts schätze, wie z.B. die Arbeiten von Richard Prince oder Sherry Levine, aktuell die von Sharon Lockhart.
Als Lehrende denke ich, es ist absolut unentbehrlich, dass die werdenden Künstler wissen, was sie tun. Allein schon, damit man sinnvoll Anträge schreiben kann, denn ein Künstlerleben besteht daraus, dass man sich von einem Antrag zum nächsten hangelt. Dabei ist es wenig sinnvoll, wenn man etwas neu erfindet, was vor 20 Jahren schon mal gemacht wurde. Das muss ja nicht heissen, dass man die Texte von Lacan auswendig lernt - bloß, dass man einen relativ breit angelegten Überblick darüber hat, was im Kunstbetrieb passiert und wo die Grenzen des Kunstbetriebs sind.
Ich finde es wichtig, sich damit zu beschäftigen, wie sich das fotografische Bild, das dieses Versprechen des Spurhaften und Authentischen in sich trägt, mit den neuen Visualisierungsstrategien verändert. Im Zeitalter von digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten verlagert es sich z.B. immer mehr in Richtung Grafik: die ursprüngliche Eigenheit des Fotografischen als Aufzeichnungsmedium geht verloren, computergenerierte Bilder sind grafisch prozessiert. Diese sind also vollkommen anders hergestellt, auch wenn sie fotorealistisch aussehen.
Ich denke schon. Deswegen interessiert mich die "Foto-Fotoszene" auch nicht mehr so - also die Szene, die den Anspruch erhebt, "freie Fotografie" zu machen, aber letztlich von der ganzen Bildfindung her doch eher traditionell ist. Historisch betrachtet verfolgt dieser Diskussionsstrang meiner Meinung nach die klassische Linie der "Kunstfotografie", also des Genres, das um 1900 explizit als solches benannt worden ist und das sich einerseits von der bildenden Kunst abgrenzen wollte, andererseits sich selbst nicht als so profan wie die angewandte Porträt- oder Industriefotografie betrachtete. Allerdings halte ich die angewandte Fotografie für komplett unterschätzt, schließlich kommt von ihr sehr viel Inspiration für die bildenden Künste.
Es ist generell wichtig, dass man versteht, wie Bilder hergestellt werden, sich ihrer Inszenierung bewusst wird. Gerade an der Golfkriegsberichterstattung konnte man das wieder gut nachvollziehen, man denke an die Unterschiede zwischen den reduzierten Bildern des ersten Golfkriegs und an die neue Methode des "Embedded Journalism". Da hängt die ganze Debatte über wahre und manipulierte Bilder dran, letztlich muss man sich fragen, welche Funktion die verschiedenen Strategien erfüllen sollen und woran sie auch scheitern. Einen diskursiven Umgang mit der visuellen Kultur sehe ich als Theoretikerin als meine Aufgabe an. Ich finde übrigens die Kolumne von Stefan Heidenreich in der Zeitschrift de:bug ganz amüsant, der über Werbebilder schreibt, Bilder, die ja kaum je einer genauen Lektüre unterzogen werden. Ich denke aber, dass viele "Praktiker", also Fotojournalisten, dieses Bewusstsein selbst auch haben, schließlich wissen sie am besten, wie Bilder produziert werden.
Da kann ich Eigenwerbung für die KHM machen, die nicht dem klassischen Kunstakademiemodell folgt. D.h., es gibt hier nicht das klassische Meisterklassenmodell, sondern einen Seminarbetrieb wie an wissenschaftlichen Hochschulen. Dadurch werden die Studenten nicht auf dieses Denken geeicht, sich einen Meister zu suchen, sondern können sich übergreifend orientieren. Oft ist ja das am Interessantesten, was im Zwischenraum von Kunst und Design, Film und Kunst passiert.
