DJF-VIPs: Martin Eberle

 

 

Vita:

1966 geboren in Augsburg
1986 Gründung der SÜDDEUTSCHE FOTOGRAFENLIGA
1987 - 1992 Studium (Fotodesign) an der FH Dortmund
1997 - 1999 Mitbetreiber der galerie berlintokyo in Berlin
seit 1998 Mitarbeiter Erratik Institut Berlin
1994 - 1996 Mitarbeiter bei PAKT - Zeitschrift für Fotografie und Medienkunst
1994 - 1997 Lehrauftrag Fotografie am Fachbereich Design der FH Potsdam
seit 1992 in Berlin
fotografiert viel in Brandenburg
Etliche Ausstellungen, Vorträge und Buchveröffentlichungen

 

 

- Welche Erinnerungen hast du an den DJF?

Die sind sehr vielfältig, weil ich bereits mit 14 Jahren zum ersten Mal teilgenommen habe und später auch Teamer und Jurymitglied war. Vor allem habe ich bei den Seminaren Leute kennengelernt, die sich ähnlich intensiv für Fotografie interessieren wie ich, und mit denen ich zum Teil heute noch befreundet bin und täglich zu tun habe. Die wichtigste Erfahrung war, durch diesen Austausch aus der Isolation herauszukommen, in der man steckt, wenn sich keiner aus der eigenen Umgebung ernsthaft für Fotografie oder Kunst interessiert. Dadurch merkt man nicht nur, wie viele viele Leute es gibt, die auch dieses spezielle Interesse haben, sondern auch, wie vielfältig Fotografie sein kann; dass damit kommuniziert werden kann.

 

- Kommt daher auch dein Interesse an Fototheorie?

Eher daher, dass ich aus einer ländlichen Region komme. Dort ist Fotografie kaum in der Kunstdiskussion präsent, zumindest war es so in der Zeit, als ich beim DJF teilnahm, also Ende der 70er, frühe 80er Jahre. Es gab Fotografie nur als Reportage oder als historische Fotografie. Dass es auch etwas Eigenständiges sein kann, ein Kunstmedium - also nicht nur etwas, das als Werbebotschaft benutzt wird oder um den Zeitungsartikel zu illustrieren - dieser Gedanke war damals noch gar nicht vorhanden.

 

- Findest du die Diskussion darum, ob etwas "nur Fotografie" oder "schon Kunst" ist, heute noch relevant?

Nein.

 

 

- Ein bisschen ausführlicher?

Da würde ich André Gelpke zitieren - das war einer meiner fotografischen Helden. Er sagte einmal, dass die Unterscheidung zwischen Fotografie und Kunst recht müßig sei, man solle einfach zwischen guter und schlechter Fotografie unterscheiden. Das ist eine Aussage aus den frühen 80er Jahren. Damals ist Fotografie vom Kunstbetrieb nicht als ernstzunehmendes eigenständiges Medium betrachtet worden. Entsprechend kämpferisch ist der Standpunkt. Heute ist die Situation natürlich eine ganz andere. Eine grundsätzliche Akzeptanz ist inzwischen längst gegeben. Trotzdem muss man natürlich sehen, dass der Zusammenhang, in den man etwas stellt wichtig ist und die Qualität. Weder ist Fotografie per se Kunst noch Malerei. Beide Begriffe repräsentieren nur Medien.

 

- Siehst du dich selbst dann teilweise als Fotograf und teilweise als Künstler?

Sagen wir mal so: Die Bilder, die ich produziere, produziere ich zum Teil für den einen und zum Teil für den anderen Zusammenhang.

 

- Wie sieht bei dir das Verhältnis zwischen Auftrags- und freien Arbeiten aus? Entspricht es deinen ursprünglichen Vorstellungen?

Als ich angefangen habe, Fotografie zu studieren, waren meine Vorstellungen unkonkret. Ich wusste nur: das möchte ich machen.

Ich kannte ein paar Bücher wie die von Diane Arbus und Ralph Gibson, die mir gefallen haben und durch die mir bewusst war, was Fotografie alles sein kann. Der Alltag, den ich bis dahin aus meiner Arbeit in ganz klassischen Mode- und Werbefotografiestudios kannte, bestand darin, dass man Bettwäsche oder Pullover oder Strumpfhosen fotografierte.

In meinem heutigen Arbeitsalltag als professioneller Fotograf habe ich bzw. haben wir - Eberle & Eisfeld - verschiedene Kunden entsprechend unserer verschiedenen Spezialisierungen: hauptsächlich Architekturfotografie, aber auch etwas Porträt und Werbefotografie.

Ansonsten mache ich die Fotos, die mich interessieren, die ich einfach machen will. Das dauert dann, bis es in eine so kompakte und geschlossene Form wie z.B. die Buchveröffentlichung von "Temporary Spaces" mündet. Ich fotografiere keine "Themen", die ich mir ausdenke, sondern eigentlich nur mein Leben, so ist das, was ich aus meinem eigenen Interesse fotografiere, ein ständiger Begleiter.- Ende der 90er Jahre hast du die "galerie berlintokyo" mitbetrieben. Einen selbstorganisierten Ort, an dem Ausstellungen, Parties und Konzerte stattfanden.

 

 

- Betrachtest du das als Teil deiner künstlerischen Tätigkeit oder siehst du dich hier in einer weiteren Rolle, nämlich der des Kulturproduzenten?

Kultur "produzieren" würde ich nicht wollen. Wir haben die Galerie selbst als Projekt angesehen und sie nicht mit der Intention geführt, dass sie den "Kultur"betrieb füttern soll.

Das Anliegen war: einen Raum geben in dem Ideen - die wir vom berlintokyo gut finden - verwirklicht und präsentiert werden können. Unsere eigenen oder die Anderer. Wichtig war uns die Vielfältigkeit und das Arbeiten mit dem Raum. Am besten waren die Abende, an denen Kunst, Musik, Party, Raum und Publikum sich auf neue Weise gegenseitig ergänzt haben.

Das berlintokyo war auch ein Ort, an dem sich Leute getroffen und kennengelernt haben, an dem viel Austausch stattfand. Dort haben nicht nur Austellungen oder Lesungen stattgefunden. Auf dem galerielable SPIELKREIS wurden Platten und Hefte veröffentlicht, wir sind mit Musikern und Künstlern getourt, es haben sich Bands gegründet und es sind viele andere Projekte im Bereich Musik und Kunst dort entstanden.

 

 

Websites:

www.eberleeisfeld.de
www.neuedokumente.de
www.craenkl.de
www.bilderkriege.de/seiten/streaming_archiv/martineberle.html

 

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