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Julia Sonntag, 25
Berlin

Serie »Tausendsch├Ân«
2. Preis 300 ÔéČ



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Jurybegründung

Mohn, Rainfarn, Madonnenlilie, Fingerhut und die Knospe einer Kastanie. Das sind die f├╝nf Objekte, denen sich Julia Sonntag in ihrer Serie widmet. Ihre Pflanzenportr├Ąts bestehen jeweils aus einem St├Ąngel und der entsprechenden Bl├╝te, abgebildet in Seitenansicht, vor einer individuell gemusterten Wand. Rigoros und stringent, einheitlich und konsequent. Doch betreibt Julia Sonntag keine Strukturanalyse ? la Blossfeldt. Ihre Pflanzen liegen nicht auf dem Seziertisch, im Gegenteil: sie erscheinen lebendig, weich und unber├╝hrt. Der Fotografin gelingt es, in sanften Pastellt├Ânen und ├Ąu├čerst liebevoll, fotografische Gem├Ąlde dieser zarten Wesen anzufertigen. Gedanken an Kitsch entstehen beim Betrachter nicht. Stattdessen: Sinnlichkeit und Ruhe. Damit schafft Julia Sonntag die beste Voraussetzung f├╝r stundenlanges Anschauen und Verweilen. Fantastisch!

Interview

-Wie bist du auf die Idee zu deiner Serie gekommen und um was geht es dir dabei?
--W├Ąhrend meiner Ausbildung an der Ostkreuzschule f├╝r Fotografie habe ich recht viel mit unterschiedlichen Aufnahmetechniken experimentiert. Dabei habe ich irgendwann verstanden, dass ich mich nicht so sehr f├╝r detailgenaue Abbildungen von etwas interessiere, sondern mir eher wichtig ist, Stimmungen zu vermitteln.
Die Tausendsch├Ân-Serie ist zuerst aus einer Vorstellung entstanden. Ich wollte schon immer mal mit einer Lochkamera arbeiten und hatte die Idee, mit sehr reinen Pflanzen vor normalen, einfarbigen W├Ąnden zu arbeiten. Also besorgte ich mir eine einfache Pappkamera, eigentlich eher zum Ausprobieren. Ich war ├╝berrascht, wie gut ich mit ihr arbeiten konnte und bin letztendlich bei ihr geblieben. Dass die Hintergr├╝nde ein so gestaltendes Element in meiner Serie wurden, hat sich langsam entwickelt. Zuerst habe ich in meinem Zimmer und im Treppenhaus fotografiert. Irgendwann suchte ich dann neue Hintergr├╝nde auch au├čerhalb.

-Wie sind die Bilder entstanden? Welche Technik hast du benutzt?
--Ich habe die Fotos auf einem Farbnegativrollfilm aufgenommen und von diesem Farbvergr├Â├čerungen erstellt. Dass die gedruckten Bilder aus Scans von den ÔÇ×echtenÔÇť Vergr├Â├čerungen entstehen, ist mir wichtig. Ich hatte den Eindruck, dass etwas verloren ginge, wenn ich direkt von den Negativen
scannte. Beim Fotografieren ziehe ich meist mit verschiedenen Blumen los und gehe in Geb├Ąude, in denen ich hoffe, passende Hintergr├╝nde zu finden. Von jeder Pflanzen-Hintergrund-Kombination nehme ich nur ein Bild auf. So bin ich gezwungen, so lange am Ausschnitt und Winkel zu arbeiten, bis es
├╝berzeugend aussieht. Dadurch dass ich sehr lange Belichtungszeiten verwende, von bis zu zwei Stunden, ist diese Arbeitsweise ziemlich zeitsparend.

-Warum hast du dich daf├╝r entschieden, genau diese Serie einzusenden? Was fasziniert dich an ihr?
--Die Fotos der Serie sind f├╝r mich alle sehr wundersam, es ist schwer genau zu fassen. Diese Stimmung entsteht auch, weil durch die Aufnahmetechnik das Bild sehr gem├Ąldehaft wirkt. Au├čerdem besteht ja dieser Kontrast zwischen der frischen lebendigen Blume und dem zeitbehafteten Hintergrund. Dadurch kommt eine melancholische, and├Ąchtige Grundstimmung auf. Es ist ein bisschen so, als w├╝rde den Pflanzen gehuldigt. Faszinierend finde ich es auch, wie Vordergrund und Hintergrund zusammenkommen und ineinander ├╝bergehen. Ich habe mich f├╝r genau diese Bilder entschieden, da sie alle sehr expressiv sind und man sich beim Betrachten gut in ihnen verlieren kann.

-Seit wann fotografierst du? Und wie bist du zur Fotografie gekommen?
--Ich fotografiere seit ich 16 bin. Da habe ich n├Ąmlich die Praktica meines Vaters bekommen und ab dann ziemlich viel fotografiert, ohne mir besonders Gedanken dar├╝ber zu machen. Es geh├Ârte dann einfach zu mir.

-Wo und wem zeigst du deine Bilder? Hast du eine Online-Galerie?
--Meine Bilder zeige ich Kommilitonen und Freunden, manchmal auch meinen Eltern. Au├čerdem mache ich gerade bei einer Gruppenausstellung in Berlin mit und habe angefangen, Musiker f├╝r ein Internetnetzwerk und -label zu fotografieren. Meine Homepage ist auf www.juliasonntag.de zu finden.

-Welche pers├Ânliche Bedeutung hat die Fotografie f├╝r dich?
--F├╝r mich ist sie ein sehr spannendes Ausdrucksmittel, aber auch der Beruf, den ich gelernt habe.