



| preisträger | best of 2002 |
Jan Schmolling
Die Beteiligung am Deutschen Jugendfotopreis 2002 war ausgesprochen gut und wurde bisher nur 1998 übertroffen. Damit wird erneut deutlich, dass das Medium Fotografie für Kinder und Jugendliche zu den wichtigsten künstlerischen Ausdrucksmitteln zählt.
Obwohl »Quoten« nicht der alleinige Maßstab für die Bedeutung des Wettbewerbs sind – das Wettbewerbsjahr wird letztlich immer durch die Qualität der Fotos geprägt –, ist es natürlich am allerschönsten, wenn beides stimmt: Die Einzigartigkeit der Motive und die Resonanz.
Die Hauptpreisträger gibt’s hier (Auswahl in der linken Spalte). Für wenig Geld könnt Ihr den 88-seitigen Bildband bestellen, der alle Preisträgerfotos enthält.
Was gefragt war… Der Deutsche Jugendfotopreis wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Wer zum Zeitpunkt der Einsendung nicht älter als 21 Jahre ist und in Deutschland wohnt, kann an ihm teilnehmen. Und zwar sowohl am allgemeinen Wettbewerb mit freier Themenwahl als auch am Sonderthema, das in diesem Jahr »Ein Bild von mir: Selbstportraits und Selbstdarstellungen« lautete. »Jugendfoto-Historiker« werden’s wissen: Dieses Thema gab es bereits 1991. Scheinen uns die Ideen auszugehen?! – Diese Gefahr droht eigentlich kaum bei all den Vorschlägen, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommen. Mit der Neuauflage des Sonderthemas wollten wir allerdings nicht nur zur Rettung des Selbstauslösers beitragen, sondern waren gespannt, – Stichwort Foto-Geschichte –, wie sich die Art der Selbstportraits im Lauf der Zeit verändert hat. Erweitert um Portraits und Selbstportraits aus den vier Jahrzehnten des Wettbewerbs werden die Ergebnisse in einer Wanderausstellung und auf www.jugendfotopreis.de präsentiert.
Seit der ersten Ausschreibung vor 40 Jahren hat sich die Leitidee des Wettbewerbs nicht verändert: Junge Leute sollen zu foto-grafischen Stellungnahmen zu ihrem Alltag motiviert werden – zu subjektiven Sichtweisen, die sich von konventionellen Medien-Bildern zum Thema Jugend abheben. Wie – das heißt, mit welcher Technik – die Fotos entstehen, ist dabei zweitrangig. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Was zählt, sind Bildidee, Fantasie und Konzept sowie eine dazu »passende« fototechnische Umsetzung. Für ein Ganzkörper-»Portrait« reicht eine Rolle Fotopapier und ein abgedunkelter Raum – und fertig ist das Fotogramm. Ganz neue Möglichkeiten erschließt die Digitalfotografie. Die Zunahme der Tintenstrahl-Ausdrucke (vermutlich waren es diesmal bereits weitaus mehr als klassische Baryt-Prints) dokumentiert die Bedeutung dieser Technik sowohl für Fotogruppen als auch für den Einzelnen, der nun endlich die volle Kontrolle über die Qualität seiner Fotos verfügt. Für Foto-AGs bietet das Verfahren eine ganz neue Arbeitsdynamik mit schnellen Erfolgserlebnissen.
Die Trends – Einige Beobachtungen. Beginnen wir mit dem Sonderthema »Ein Bild von mir«. Hinsichtlich der Attraktivität war es ein voller Erfolg: 1570 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich den fotografischen Spiegel vorgehalten. Doch so einfach das Thema formuliert war – für eine überzeugende Umsetzung bedurfte es auch hier einer guten Idee und fantasievollen Gestaltung. Bilder, die den Betrachter faszinieren, die ihm etwas über den Selbt-Portraitierten mitteilen, und zwar nicht nur oberflächlich – solche Bilder hätte es ruhig mehr geben können, so das Urteil der Jury. Diese »Kritik« betrifft natürlich nicht die in diesem Buch präsentierten Fotos, die (einschließlich des Hauptpreises im Digital-Special) auf eindrucksvolle Art die Vielfalt der Selbst-Darstellungen und Selbst-Inszenierungen vermitteln.
Erwartungsgemäß hatten in der Altersgruppe A (bis 14 Jahre) Gruppenprojekte mit 23 Prozent einen besonders großen Anteil. Besonders auffällig waren hier die unterschiedlichen Herangehensweisen, die von Collagen (jetzt auch am PC) bis zur Inszenierung von Foto-Events reichten. Die prämierten Arbeiten verdeutlichen, was man heutzutage unter einer innovativen, in pädagogischer Hinsicht hochprofessionellen und die Bedürfnisse der Kinder ernst nehmenden Fotoarbeit verstehen kann.
Auch in der Altersgruppe C (18 - 21 Jahre) gab es wie immer besonders viele Teilnehmer (1282) und Fotos (5885). Und hier hatte die Jury wirklich die berühmt-berüchtigte Qual der Wahl. Insbesondere der Hauptpreis, eine fotografisch herausragende Reportage über »Globalisierungsgegner« beim Gipfel in Genua, wurde heftig diskutiert: Herausragende Reportage? Dokumentation einer aktuellen Protestbewegung? Oder ästhetisierende Darstellung von Gewalt? Die besondere Qualität dieser Fotoserie beruht, so das Urteil der Jury, gerade auf dieser Mehrdeutigkeit, die den Betrachter zum Nachdenken anregt.
Danke! Der Deutsche Jugendfotopreis stellt, was die Finanzierung und Durchführung betrifft, ein regelrechtes »Foto-Netzwerk« dar. Die Unterstützung durch das Bundesjugendministerium und das Landesjugendministerium Nordrhein-Westfalen sowie durch die Fotoindustrie bildet die Grundlage dafür, dass der Wettbewerb breitenwirksam ausgeschrieben und präsentiert werden kann.
Im Unterschied zu manch anderem Wettbewerb findet beim Deutschen Jugendfotopreis keine Vorjury statt, sondern jedes Jurymitglied bekommt sämtliche Fotos zu sehen; ein anstrengendes Verfahren, aber das wahrscheinlich gerechteste. Für das große Engagement danke ich der Jury ganz ausdrücklich. Vor allem aber danke ich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern und hoffe, dass sie sich von diesem Bildband zu neuen Fotoideen inspirieren lassen.
Übrigens: Im Rahmen des Deutschen Jugendfotopreises 2002 wurde eine Befragung durchgeführt, um die Interessen und Wünsche der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu erfahren. Auch hier waren die Resonanz mit über 1000 Rückmeldungen beachtlich und die Ergebnisse höchst aufschlussreich und wichtig für die künftige Konzeption des Wettbewerbs.
Altersgruppe
A
Altersgruppe
B
Altersgruppe
C
Sonderthema
Gruppenpreis
Digitalpreis