1. Preis   Andrea Elsper, 19 Jahre, Hameln  
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Jury

Interview

 

Andrea Elsper hat mit ihrer sechsteiligen Serie ihre eigene Magersucht thematisiert. Für den schwierigen Weg hin zum Eingeständnis ihrer Krankheit findet sie eine überzeugende visuelle Umsetzung, die den Betrachter auch zur Auseinandersetzung mit den eigenen gewohnten Sehweisen zwingt. So erinnern die Bilder, die ein Mädchen neben Zimmerpflanzen posierend zeigen, mit ihrer eigenwilligen Atmosphäre und Bildgestaltung durchaus an trendige Modefotos der heutigen Zeit. Der dünne Körper des Mädchens erschreckt in diesem Zusammenhang nicht, sondern bedient nur zusätzlich die aus den Magazinen bekannte Ästhetik. Das dritte Bild, einziges Hochformat in der Serie, stellt formal und inhaltlich einen Bruch dar, läßt das Mädchen als Patientin im Krankenhaus erkennen und bringt die existenzbedrohende Seite der Magersucht ins Spiel.
So ›funktioniert‹ auch die ›Bikinipose‹ auf den letzten beiden Bildern nicht mehr: Andrea Elsper läßt den Betrachter ihr gespaltenes Verhältnis zu ihrem Zustand mit ihren eigenen Augen sehen und schafft es, daß ein und derselbe Körper einmal als schön und einmal als erschreckend empfunden wird. Die Kluft zwischen eigentlichem Wunschbild und dem tatsächlichen Zustand wird durch das Auseinanderreißen der Aufnahme in zwei Teile verdeutlicht.
Die Arbeit ist ein mutiges Beispiel für die fotografische Auseinandersetzung und Vermittlung der eigenen schwierigen Situation.